Patrick Tschui

Die Geschichte der Pfingst- und Charismatischen Bewegung

1.Kapitel

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Die Führer der Pfingst-/Charismatischen Bewegung teilen ihre Geschichte selber in 3 Phasen oder „Wellen“ ein (vgl. Die dritte Welle des Heiligen Geistes, Wimber/Springer (Hrsg.), Projektion J, 1989, S.26-30):
1. Welle: Pfingstbewegung ab 1906-
2. Welle: Charismatische Bewegung 1960-
3. Welle: „3. Welle“=“Power Evangelism“ (Evangelisation mit Zeichen und Wunder) 1980-


Heute muss man noch mindestens 3 weitere „Wellen“ hinzufügen:
4. Welle: Die Prophetenbewegung 1990-
5. Welle: „Toronto-Segen“/“Erweckung in Pensacola“/“Lakeland-Revival“ 1994-
6. Welle: Die Apostelbewegung/Neue Apostolische Reformation (NAR) 2000-


Vorgeschichte
Viele neue Bewegungen entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den Umwälzungen der Französischen Revolution. Um das Jahr 1830 wurde der Ruf nach der Wiederherstellung der Urgemeinde mit Propheten und Aposteln wieder laut. Einer dieser Männer war Edward Irving (1792-1834). Er wurde der theologische Begründer der katholisch-apostolischen Bewegung (einer Vorläufer-Bewegung der Neuapostolischen Kirche), die an neue Apostel in der Endzeit glaubt. (Neben Irving spielte auch der Prophet Robert Baxter eine entscheidende Rolle zu Beginn des Irvingianismus. Doch schon wenig später gab er zu, von einem Irrgeist verführt worden zu sein).

Die eigentliche Pfingstbewegung hat ihren Ursprung in der Heiligungsbewegung des 19. Jahrhunderts („Heiligung“ ist biblisch, manche
„Heiligungslehren“ der „Heiligungsbewegung“ waren es nicht). John Wesley (1703-1791), der Begründer des Methodismus, schrieb 1766 in
seinem Buch A Plain Account of Christian Perfection [„Ein freimütiger Bericht der christlichen Vollkommenheit“], dass ein Christ einen Zustand der Vollkommenheit erreichen könne. So machte er einen Unterschied zwischen „geheiligten Christen“, die mit dem Heiligen Geist getauft worden waren (ohne nachfolgendes Zungenreden!) und gewöhnlichen Christen. Er sprach von einer 2. Erfahrung.


So wurde in der Heiligungsbewegung zum Teil gelehrt, dass ein Christ einen vollkommenen Zustand, in dem der nicht mehr sündigt, erreichen könne (Ausrottung der Sünde in uns; „völlige Heiligung“, „höheres christliches Leben“, „zweiter Segen“). Jonathan Paul sprach von einem „reinen Herzen“ (Siehe seine Broschüre Das reine Herz, Verein für entschiedenes Christentum, n.d.). Paul bildete dann als Heilungsevangelist (siehe unten) eine Art Brücke zur Pfingstbewegung.
Vgl. dazu 1.Jo 1,8 und Phil 3,12.
Diese Lehre des Perfektionismus, wie sie auch genannt wurde, wurde in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in Amerika aufgenommen und verbreitet. Hier war es besonders Charles G. Finney, der das höhere christliche Leben predigte. Auch Dwight L. Moody hatte ein solches Erlebnis. Sein Nachfolger war Reuben A. Torrey. Auch er lehrte eine „Geistestaufe“. Und auch ihnen stellte sich die Frage: „Wie kommt ein Christ zu diesem „höheren Leben“, diesem „Siegesleben in Christus“?“ Im Gegensatz zu Finney sprach man nun auch von einer „Geistestaufe“. So schrieb Torrey in seinem Buch Der Heilige Geist – Sein Wesen und Wirken (Herold-Verlag) über die „Taufe mit dem Heiligen Geist“ und wie man sie empfangen kann (7.Kapitel). (Er war aber gegen das „Zungenreden“). Die Heiligungsbewegung übernahm die Ansicht einer 2.Erfahrung und diese wurde unter anderen von Asa Mahan und T.C. Upham weiterentwickelt. Sie sahen diese 2.Erfahrung als Kraftausrüstung, um Seelen zu erretten.


Im Gegensatz zu Finney, der von den Presbyterianern kam, kamen sonst die meisten Anhänger der Heiligungsbewegung von den Methodisten her. Dazu gehörten auch Phoebe Palmer (1807-1874) und ihe Schwester. Palmer machte den Ausdruck „Taufe mit dem Heiligen Geist“ populär. Sie hielt diese für gleichbedeutend mit der vollständigen Heiligung.


Ab 1873 kam die Heiligungsbewegung durch das Ehepaar Robert Pearsall Smith und Hannah Whitall Smith nach Europa. In Grossbritannien (Oxford 1874 und Brighton 1875) organisierten sie Heiligungskonferenzen. Die Heiligungsbewegung hat in Mitteleuropa vorallem durch Pearsall Smith und die „Keswick-Konferenzen“ weite Verbreitung gefunden: Chrischona- Gemeinden (Heinrich und Dora Rappard), der Brüderverein, Freie Missionsgemeinden und die deutsche Gemeinschaftsbewegung sind aus dieser hervorgegangen. Ausserdem wurden Glaubensmissionen, Bibelschulen, Diakonissenhäuser gegründet und es kam allgemein zu einer neuen Betonung der Wichtigkeit der Evangelisation. Dies zeigt, dass viele Anhänger der Heiligungsbewegung ein durchaus ernsthaftes, biblisches Christentum lebten.
Die Heiligungslehre wurde früher auch in der Heilsarmee gelehrt. Man beachte das Buch von H.A. Ironside Heiligung – Zerrbild und Wirklichkeit, CLV, Neuausgabe 2018. Heute verbreitet noch der Herold-Verlag Bücher von Autoren der Heiligungsbewegung.


Neben der Heiligungsbewegung spielte auch die Heilungsbewegung als Vorläuferbewegung der Pfingstbewegung eine wichtige Rolle. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es in der Schweiz und Deutschland zur Gründung von Heilungszentren. In Deutschland sind z.B. Johann Christoph Blumhardt in Möttlingen und Johannes Seitz in Teichwolframsdorf bekannt, in der Schweiz Dorothea Trudel und ihr Nachfolger Samuel Zeller in Männedorf, Georg Steinberger in der Rämismühle oder Otto Stockmayer in Hauptwil. Stockmeyer hat ein Buch mit dem Titel Krankheit und Evangelium veröffentlicht, das eine weite Verbreitung fand.


Eine andere wichtige Persönlichkeit der Heiligungs- und Heilungsbewegung war der Südafrikaner Andrew Murray (1828-1917), der u.a. auch von dem Buch von Stockmayer beeinflusst wurde und bereits ein Dreistufen-Christsein lehrte: Wiedergeburt – Geistestaufe – vollkommene Heiligung. Die Namen weiterer bekannter Autoren der Heiligungsbewegung: Ernst Modersohn, F.B. Meyer, Fritz Binde und Hedwig von Redern.


So lehrte man also schon am Ende des 19. Jahrhunderts zwei Erfahrungen im Leben eines Christen: Wiedergeburt und die Taufe mit Heiligem Geist. Was wurde aber als Bestätigung dieser (unbiblischen) zweiten Erfahrung betrachtet? Die Antwort auf diese Frage gab die aufkommende Pfingstbewegung.


Der Pfingstbewegung ging direkt „The Welsh Revival“ [„dt. Die Erweckung von Wales] von 1904/5 voraus. Evan Roberts, ein junger Theologiestudent, war die Hauptperson dieser Erweckung. Diese Erweckung hatte weltweiten Einfluss. Dr. Oswald Smith zum Beispiel wurde auch von dieser Erweckung erfasst.


John Alexander Dowie (1847-1907)
Ein entscheidender, wenn auch grösstenteils unbekannter Vorläufer verschiedener Irrlehren ist der Heilungsevangelist John Alexander Dowie. Neben dem Gebet verwendete er auch die Handauflegung. Er gründete die „Gesellschaft göttlicher Heilung“ und die „Christliche Katholische Kirche in Zion“ in den USA. Er betrachtete sich als den Boten des Bundes (nach Maleachi 3,1), den wiederkommenden Propheten Elia und den „Apostel der Endzeit“. Ausserdem meinte er, dass er alttestamentliche Prophezeiungen erfülle. Stephan Holthaus schreibt in Heil – Heilung – Heiligung, TVG Brunnen, 2016 (Fussnote 83, S.351f) über das Auftreten Dowies in der Schweiz:
„Er soll dort mit einer Kutsche vorgefahren sein, die von vier Schimmeln gezogen wurde. Sein ganzes luxuriöses Auftreten war genauestens geplant und soll ungeheuren Eindruck auf die Menschen gemacht haben.“ 1898 wurde er von Charles Fox Parham besucht (siehe unten).

Geschichte der Pfingst- und Charismatischen Bewegung
1) Pfingstbewegung (1906-)
Die Personen, die der Pfingstbewegung Pate gestanden haben, sind Charles F. Parham (1873-1929) und William J. Seymour (1870-1922).

Zur Geschichte der Entstehung der Pfingstbewegung muss zuvor angeführt werden, dass es verschiedene sich widersprechende Versionen zum Ursprung der Pfingstbewegung gibt. Georg Walter schreibt in seinem Buch Anfänge der Pfingstbewegung: „Parham stellte seinen Studenten im Jahre 1900 die Aufgabe, anhand der Apostelgeschichte die Lehre der Geistestaufe zu untersuchen.“ (S.40) Diese kamen dann 1901 zur Überzeugung, dass das Zeichen der Geistestaufe das Zungenreden sei. So hat also Charles F. Parham die lehrmässige Grundlage
gelegt, indem er das Zungenreden mit der Geistestaufe verband (Zungenreden als Zeichen und Beweis der Geistestaufe). Er gilt damit allgemein als „Vater der modernen Pfingstbewegung“.
Als Geburtsjahr der Pfingstbewegung gilt das Jahr 1906, obwohl ähnliche Erscheinungen auch schon vorher – schon im 19. Jahrhundert (z.B. Richard Spurling, sen. und jun.) aufgetreten sind. Da „Zungenreden“ ein zentrales Merkmal war, wurde sie auch Zungen(redner)bewegung genannt. William J. Seymour hielt Versammlungen in Los Angeles, Azusa-Street, USA ab. Zur Geschichte der Anfänge dieser Bewegung lese man vom Augenzeugen Frank Bartleman das Büchlein Wie Pfingsten nach Los Angeles kam (z.B. Philadelphia-Verlag Leonberg/Württemberg, n.d.), auch unter dem Titel Feuer fällt in Los Angeles (C.M.Fliß Verlag) erschienen.


Schon damals kam es zu ähnlichen Phänomenen wie später beim „Toronto- Segen“ wie Umstürzen, körperliche Verzerrungen, am Boden liegen bleiben, usw. Auch falsche Prophetien, die sich nicht erfüllten, kamen vor. Prophezeiungen dienten auch als geistliche Druckmittel. Auch das aus dem Spiritismus bekannte Phänomen des „Automatischen Schreibens“ ist zu Beginn der Pfingstbewegung vorgekommen.
Heinrich Dallmeyer beschreibt zwei Szenen zu Beginn dieser Bewegung (Die Zungen-Bewegung, Pflugverlag, n.d., S.39 und 111f):


„Ich hielt also meine Evangelisationsvorträge, und die Schwestern [die beiden Norwegerinnen – siehe unten] redeten hintereinander in Zungen. Schon damals gab es wilde Szenen, einen richtigen Spiritistenspuk.“


„Einige sind kraftlos in sich zusammengesunken, andere liegen der Länge nach auf dem Boden ... Das Murmeln, Stöhnen und Seufzen schwillt zu grauenvollen Schreien an, ... lachen und jubeln sie in zunehmender Ekstase. Unter Gliedverrenkungen und Zuckungen wimmern die einen am Boden, ... Junge, blühende Mädchen und baumstarke Männer gebärden sich ebenso sinnlos wie heulende Weiber. Viele verfallen in hysterische Krämpfe. „Tatatatatataquabarambatatata“, schreit ein Mann unaufhörlich; seine rechte Hand schlägt dabei in wahnsinnigem Tempo auf den Stuhlsitz...“.


Ein anderes Zeugnis:
„Es war als ob eine eiserne Hand sich auf meine Kiefer gelegt hätte. Meine Kiefer und meine Zunge wurden von dieser unsichtbaren Kraft getätigt.“ (The Pentecostal Movement, Donald Gee, über T.B. Baratt; zitiert in Zur Frage der Pfingstbewegung einst und jetzt: Stellungnahme und Warnung, Peter Mayer, S.7) Solche Auswüchse führten und führen auch heute leider dazu, dass der biblische Glaube verlästert wird (2.Petr 2,2-3).


Von den USA aus wurden die Lehren und Praktiken über die ganze Welt verbreitet. Der norwegische Methodistenprediger T.B. Baratt holte den „Pfingstgeist“ in Los Angeles und brachte ihn nach Christiania (älterer Name von Oslo). T.B. Baratt sandte zwei zungenredende Norwegerinnen mit Namen Telle und Gregersen nach Hamburg und so gelangte dieser Geist nach Deutschland.
Damals glaubten die Pfingstler in der Regel an drei Stufen: Bekehrung – Heiligung – Geistestaufe (mit Zungenreden). (Die 3 Abteilungen der Stiftshütte: Vorhof, Heiligtum und Allerheiligstes wurden als Vorbild der „3 Stufen im Glaubenslebens“ eines Christen betrachtet. Man unterschied also „Vorhof-Christen“ von anderen, die schon weiter waren in ihrer Heiligung. Diese Lehre wurde darum auch Stufenlehre oder Heiligtumslehre genannt). Später und bis heute sehen sie mehrheitlich nur noch zwei Stufen: Bekehrung – Geistestaufe (mit Zungenreden).
Aus den Kreisen der Pfingstbewegung kommt auch der Ausdruck des „vollen Evangeliums“, ein Evangelium, das nicht nur die Errettung von Seelen, sondern auch die körperliche Heilung einschliesse. Die Pfingstlerin Aimee Semple McPherson gründete die „International Church of the Foursquare Gospel“: Jesus Christus als Retter, Täufer mit dem Heiligen Geist, Heiler und kommender König. Sie sagte, dass sie dies in einer Vision gesehen habe. Ebenfalls berühmt wurde die Heilerin Marie B. Woodworth-Etter. Diejenigen, die sich von diesem neuen Geist erfassen liessen, wurden meist aus den bestehenden (Heiligungs-)gemeinden herausgedrängt und gründeten neue Pfingstgemeinden.
Ausser Jonathan Paul waren in Deutschland auch Eugen Edel und Emil Humburg (nicht zu verwechseln mit Paul Humburg) führende Leute der Pfingstbewegung.


Im Jahre 1909 wurde die „Berliner Erklärung“ verfasst. In ihr wurde fest- gehalten, dass die Pfingstbewegung „von unten“ sei:
„Die sogen. Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten; sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, vom Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten ‚Geistbegabten‘ nachträglich als besessen erwiesen.“

Heute gibt es nur noch relativ wenige Gruppen, die nur den Lehren der ursprünglichen Pfingstbewegung anhängen. Die meisten „Pfingstgemeinden“ sind auch von der charismatischen Bewegung (siehe unten) und anderen „Wellen“ erfasst und durchdrungen worden.

Oneness Pentecostals („Jesus Only Churches“)

Ein Seitenzweig der Pfingstbewegung sind die „Oneness Pentecostals“, die die Dreieinigkeit ablehnen und nur an eine göttliche Person glauben. Ausserdem vertreten sie die Taufwiedergeburtslehre. Dabei werden die Täuflinge nur auf Jesus Christus getauft. (Beispiele dafür sind William Branham, die Revival Centers International und „Die Letzte Reformation“ von Torben Søndergaard).


Nach dem 2.Weltkrieg entstanden neue Bewegungen aus der Pfingstbewegung, die für die folgenden Wellen von grosser Bedeutung sind:

a) Heilungsevangelisten
Auch Heilungslehren aus der Zeit des 19. Jahrhunderts (siehe S. 6f) wurden fast vollständig in die aufkommende Pfingstbewegung übernommen. Führend darin waren die Pfingstler William Branham, Oral Roberts, Tommy Hicks, Gordon Lindsay (Gründer von „Christus für die Nationen“), Lester Sumrall, W.V. Grant, A.A. Allen, Paul Cain, F.F. Bosworth und Tommy L. Osborn. William Marrion Branham (1909-1965)

Wegen seiner Bedeutung führen wir den Heilungsevangelisten William Branham hier nochmals getrennt auf. Er verstand sich als Prophet Gottes und „Engel der Gemeinde von Laodizäa“. Seine Botschaften werden als Das gesprochene Wort durch William Branham verbreitet. Er sprach von einem Engel, der ihn während seinen Heilungen begleite. Seine Ablehnung der Dreieinigkeit zeigt seine Zugehörigkeit zu den „Oneness Pentecostals“. Er beeinflusste massgeblich die Spätregenbewegung (siehe unten). Heute gibt es noch Anhänger von Branham, so z.B. Ewald Frank (gestorben 2024) mit der „Freien Volksmission“ in Krefeld.


b) Die Spätregen-Bewegung: um 1948/49
Das Wort „Spätregen“ kommt aus Joel 2,23 und 5.Mo 11,14 (vgl. Jak 5,7). Zuerst wurde unter „Spätregen“ die vermeintliche Ausgiessung des Heiligen Geistes in der Pfingstbewegung verstanden. Später wurde das Wort für die hier beschriebene Bewegung gebraucht. Die „Spätregen Bewegung“ (engl. „The Latter Rain movement“, „The New Order of the Latter Rain“, „The New Thing“ oder „Manifest Sons of God“) ging um 1948/49 durch eine „Erweckung“ in North Battleford, Saskatchewan,
Kanada aus. Sie ging von der Pfingstbewegung aus, warf dieser aber vor, sie habe ihre Lebendigkeit verloren. Diese Bewegung bekam auch den Namen „Sharon Movement“. Ein Jahr vorher waren Pastoren und Lehrer bei einer Serie von Versammlungen von William Branham gewesen, welcher ihnen die Hände aufgelegt hatte. Ebenfalls beeinflusst wurde die „Spätregen-Bewegung“ von Franklin Hall’s Buch Atomic Power With God Through Fasting and Prayer.
Von der grössten Pfingstkirche, den Assemblies of God, sowie den meisten anderen Pfingstkirchen, wurde diese Bewegung damals abgelehnt (zu den Gründen siehe weiter unten). Im Untergrund hat sie aber immer gewirkt und hat inzwischen fast alle Pfingstkirchen und charismatischen Gemeinden unterwandert, so dass ihre Lehren inzwischen zum Allgemeingut der Pfingst- und Charismatischen Bewegung geworden sind. Dazu beigetragen haben auch die sogenannte 3.Welle, der „Toronto-Segen“, die „Erweckung von Pensacola“ und viele Fernseh“evangelisten“. In der „Neuen Apostolischen Reformation“ werden die „Spätregen“-Lehren offen verkündet.
Es ist allgemein wenig bekannt, dass unter anderen auch die Prophetenbewegung mit ihren neuen Offenbarungen und die Apostelbewegung, die mit dem Auftreten von neuen Aposteln rechnet, ihren Ursprung in der Spätregenbewegung haben. Die Spätregenbewegung kann als konsequentere, extreme Form der ursprünglichen Pfingstbewegung verstanden werden. Ihre Lehren weichen noch stärker vom biblischen Glauben ab.
Die hauptsächlichen Irrlehren der Spätregenbewegung wurden 1949 von der Pfingstkirche „Assemblies of God“ in Seattle abgelehnt. Es waren dies: (1) Die Lehre, dass die Gemeinde heute wieder Apostel und Propheten brauche (2) Die Lehre, dass Salbungen durch Handauflegung nach dem Willen der Menschen weitergegeben werden können. (3) Sündenbekenntnis vor und Vergebung durch Menschen. (4) Vermittlung geistlicher Gaben durch Handauflegung, z.B. die Sprachengabe für missionarischen Dienst und andere Dienstbefähigungen. (5) Persönliche Führungen durch „Worte der Weisheit“, „Wort des Herrn“ („Wort des Herrn für dich“) oder Prophezeiungen.
Während man in der Pfingstbewegung die Wichtigkeit von „Warten und Bitten“ (engl. „Tarrying“) betonte, wurden Gaben nun durch Handauflegen vermittelt.
Die grundlegende Lehre der Spätregen-Bewegung ist die Lehre der Wiederherstellung oder Restorationismus. Sie besagt, dass die wahre Kirche in der Endzeit – bevor Jesus Christus wiederkommen könne –wieder hergestellt werden müsse (vgl. Neuapostolische Kirche, Mormonen, usw., die das auch glauben.). In bezug auf die „Endzeit“ bezeichnet man diese Haltung als „Postmillenialismus“. Eine Entrückung wird nicht erwartet.
Gemäss der „Spätregenbewegung“ seien die wahren Lehren des christlichen Glaubens schrittweise seit der Reformation wieder hergestellt worden: Zuerst mit Martin Luther die Rechtfertigung des Glaubens, dann die Taufe durch Untertauchen durch die Wiedertäufer, die Lehre der Heiligung durch Wesley, und schliesslich die Lehre der Heilung und die Taufe mit dem Heiligen Geist durch die Pfingstbewegung. (Allerdings glauben die meisten Vertreter der Pfingstbewegung an die Entrückung der Gläubigen und an die Herrschaft Christi in einem 1000-jährigen Friedensreich auf der Erde (=Prämillenialismus)).


c) Demos Shakarian
Er war der Gründer der „Geschäftsleute des vollen Evangeliums“ und Anhänger von Branham und der Spätregen-Bewegung. Er hatte ein „ausser- körperliches Erlebnis“, wie man dies auch aus dem Spiritismus kennt:


„Obgleich ich auf meinen Knien blieb, fühlte ich mich so, als wenn ich mich erhöbe und meinen Körper verliess. Ich bewegte mich aufwärts, weg vom Wohnzimmer. Tief unter mir konnte ich die Dachfirste von Downey sehen. ... Jetzt war ich hoch über der Erde und konnte das ganze Land von West bis Ost sehen.“ (Die glücklichsten Menschen auf Erden, Demos Shakarian, Leuchter- Verlag, 1976/1978, S.144).


d) David Johannes DuPlessis (1905-1987)
DuPlessis, der oft auch „Mr. Pentecost“ genannt wurde, war Südafrikaner. Seine Eltern wurden von John Alexander Dowie und John G. Lake beeinflusst. Über ihm prophezeite Smith Wigglesworth. So wurde er führend in der Einheitsbewegung. Er spielte eine führende Rolle in der südafrikanischen Pfingstkirche „Apostolic Faith Mission“.


e) Der Pfingstler David Wilkerson (1931-2011) spielte eine führende Rolle im Aufkommen der Charismatischen Bewegung:
„Die Taufe des Heiligen Geistes ist eine Erfahrung, die den traditionellen Kirchen unbekannt ist. Mit uns arbeiten jedoch Mitglieder der Episkopalkirche und Lutheraner und Baptisten und Methodisten, und alle sind mit dem Heiligen Geist erfüllt worden.“ (S.205)
Bekannt wurde Wilkerson mit seinem Buch Das Kreuz und die Messerhelden (mit einer Gesamtauflage von über 30 Millionen in 40 Sprachen).


2) Charismatische Bewegung (1960-)
Die Charismatische Bewegung, auch „neuere Pfingstbewegung“ genannt, verbreitete die pfingstlichen Lehren in die nicht-pfingstlerischen Denominationen. Ab 1967 kam die „Lehre der Geistestaufe“ unter dem Namen „charismatische Erneuerungsbewegung“ in die römisch-katholische Kirche. Katholiken, die unter diesen Einfluss kommen, werden dadurch zu überzeugteren Katholiken, die mit mehr Inbrunst an der Messfeier teilnehmen, an die Sakramente glauben, und Maria inniger verehren. Spätestens hier müssten sich alle fragen, welcher Geist hier von der Pfingstbewegung übermittelt wird. In die griechisch-orthodoxe Kirche kam die „Geistestaufe“ ab ca. 1971.

Vier wichtige Figuren der aufkommenden Charismatischen Bewegung sind:
- Dennis Bennett (Episkopalkirche)
- John L. Sherrill (Episkopalkirche)
- Larry Christenson (Lutherische Kirche)
- Michael Harper (Zuerst Priester der Anglikanischen Kirche; dann der östlich orthodoxen Kirche)
Die Ereignisse in der Charismatischen Bewegung wurden auch von den Medien aufgegriffen und verbreitet.
Viele Missionswerke und Einzelpersonen mit Gedankengut aus der „Spätregen- Mission“ wurden Teil der charismatischen Bewegung. Die Spätregenbewegung ging ein in die aufkommende charismatische Bewegung und durch dieselbe in die klassische Pfingstbewegung.


„Viele der Lehren und Praktiken der Spätregen-Bewegung verbreiteten sich enorm mit der charismatischen Bewegung 25 Jahre später.“ (A survey of 20th Century Revival Movements in North America, Richard M. Riss, S.123; dt. PT)


a) „Wort des Glaubens“-Bewegung („Word of Faith“)
Die Wort-des-Glaubens-Bewegung, die auch „Wohlstandsevangelium“ („Health & Wealth“) genannt wird, ist von ausserhalb der Charimatischen Bewegung in diese eingedrungen. Dasselbe gilt für die ähnliche Bewegung des „Positiven Bekenntnises“ („Macht des gesprochenen Wortes“ oder „Name It and Claim It“). Das Wohlstandsevabgelium geht davon aus, dass jeder Christ ein Recht auf Gesundheit, Reichtum und Erfolg habe. Der Glaube wird zu einer Kraft, die alles bewegen kann (auch Gott!). Der Amerikaner E.W.Kenyon (1867-1948) führte diese Lehren in die Charismatische Bewegung ein. Kenneth E. Hagin hat diese Lehren von ihm übernommen – meistens ohne seine Quelle anzugeben. Vieles hat er sogar wörtlich von dessen Werken abgeschrieben (Plagiarismus). Siehe Ein anderes Evangelium? von Dan McConnell, Verlag C.M.Fliß, 1990. Über Kenneth E. Hagin (1917-2003), der als „Vater” der Glaubensbewegung gilt, sind dann seine Lehren von Kenneth Copeland, John Osteen, Frederick K.C. Price, Charles Capps, Robert Tilton und anderen über-
nommen worden. Kenneth Hagin gründete das „Rhema Training Center“ in Tulsa, Olahoma, USA. Viele Lehrer der „Wort des Glaubens“-Bewegung gehen so weit zu behaupten, dass auch Jesus Christus wiedergeboren werden musste.
Bekannte deutschsprachige Vertreter dieser Bewegung sind, bzw. waren Wolfhard Margies, Siegfried Müller, John Angelina und Vokhard Spitzer.
Essek William Kenyon hat diese Lehren aus der „Neugeist-Bewegung“ (engl. „New Thought“) – die in „Neuengland“, dem Nordosten der USA mit der Stadt Boston damals weit verbreitet waren – und des Positiven Denkens mit evangelikal-charismatischem Gedankengut zusammengeführt.
Die Neugeist-Bewegung, aus der auch die „Christliche Wissenschaft“ von Mary Baker Eddy hervorging, hat ihre Vorläufer in Franz Anton Mesmer (1734-1815), Phineas Parkhust Quimby (1802-1866) und Gedanken von Emanuel Swedenborg (1688-1772).
Früher wurde diese Bewegung auch von Charismatikern selber kritisiert. Neben Dan McConnell (siehe oben) waren dies unter anderen Charles Farah mit dem Buch Von der Zinne des Tempels und David Wilkerson in Lass die Posaune erschallen (Verlag C.M.Fliß, 1987/1988).


Paul (David) Yonggi Cho (1936-2021)
Manche Gedanken der „Wort-des-Glaubens-Bewegung“ vertrat auch der Südkoreaner David (ehemals Paul) Yonggi Cho, der sich mit der grössten Kirche der Welt rühmen konnte. Er vertrat die Lehre der „Visualisierung“ (sich Erwünschtes mit Gedankenkraft aktiv vorstellen, wodurch es eintreffen werde). Sein wohl bekanntestes Buch heisst Die vierte Dimension. Er berichtet von einer Vision, in der ihm Jesus als Feuerwehrmann erschienen sei.


b) Fernsehevangelisten
Die Lehren der „Spätregenbewegung“ und des „Wort des Glaubens“ haben dann viele Fernsehevanglisten übernommen, so z.B. Jim Bakker, Jimmy Swaggart, Oral Roberts, Paul Crouch (TBN) und Benny Hinn. Durch sie sind diese Lehren in viele Denominationen eingedrungen. Diese Fernsehevangelisten wurden aber auch durch viele Skandale bekannt.


c) Ökumenische Bestrebungen
Während die Pfingstbewegung zu Beginn noch mehrheitlich gegen die Ökumene war, hat sich dies in der Charismatischen Bewegung inzwischen massiv verändert. So gibt es auch einen Dialog mit der röm.-kath. Kirche: Pfingstler und Katholiken im Dialog (Norbert Baumert/Gerhard Bially (Hrsg.), Charisma-Verlag, 1999)


d) The Shepherding Movement
Eine Bewegung, die in den 1960er und 1970er Jahren den grössten Einfluss ausübte, und aus der Charismatischen Bewegung und der Spätregenbewegung entstand, war das sogenannte „Shepherding Movement“. Die Bewegung entstand durch 5 Lehrer von Fort Lauderdale, Florida. Darum werden sie auch „The Fort Lauderdale Five“ genannt. Es waren dies: Bob Mumford, Charles Simpson, Derek Prince, Don Basham und Ern Baxter. Der Letztere war durch William Branham beeinflusst. Das englische Wort „shepherd“ bedeutet Hirte.
Sie wollten das, was sie als biblisches Modell der Leiterschaft und Verantwortlichkeit verstanden, wieder herstellen. Jeder Christ sollte jemandem verantwortlich sein, der seinerseits einem anderen, reiferen Christen verantwortlich ist. Zuoberst würden ein oder mehrere Apostel stehen (siehe unten). Jeder sollte von jemandem beaufsichtigt werden (engl. „covering“). Das bedeutet, dass alle wichtigen, und auch weniger wichtige Entscheidungen „covered“ oder genehmigt werden mussten. Dies führte aber dazu, dass auch persönliche Entscheidungen (bis zur Frage, wen man heiraten soll) nicht ohne Genehmigung der Verantwortlichen gefällt werden durften. Diese strikte Kontrolle, oftmals auch „mit Hilfe von prophetischen Worten“ führte zwangsläufig zu Missbrauch. Auch wenn diese Bewegung Mitte der 1980er unter dem Namen „The Shepherding Movement“ aufgehört hat zu existieren, heisst dies nicht, dass die Gedanken dieser Bewegung nicht an nachfolgende Bewegungen, z.B. an die „Neue Apostolische Reformation“ weitergegeben wurden.


e) Dominion Theology (Königreichstheologie)
Dies ist die Anschauung, dass, bevor Jesus Christus wiederkommt, die Kirche/Gemeinde die Herrschaft über jeden Bereich in der Welt übernehmen würde, um das Reich Gottes auf dieser Erde wiederherzustellen. Sie lehren also einen Postmillenialismus. Bekannte Namen waren: Earl Paulk und (wieder) Bob Mumford.


3) Die „3. Welle“ (1980-)
Die 3. Welle wird auch „Evangelisation mit Zeichen und Wundern“ (engl. „Power-Evangelism“) oder „Neocharismatische Bewegung“ genannt. Sie ging von der Gemeindewachstumsbewegung in Verbindung mit der Spätregen- Bewegung aus. Die bekanntesten Männer dieser Welle waren John Wimber, der von den Büchern von William Branham (siehe oben) beeinflusst war (siehe Gott auf charismatisch, Thorsten Brenscheidt, S.119), Charles H.Kraft und C. Peter Wagner, der spätere oberste Apostel der „Neuen Apostolischen Reformation“ (NAR). Dieser Letztgenannte schrieb:
„Ich bin überzeugt, dass wir im 20. Jahrhundert die weitreichenste Ausgiessung des Heiligen Geistes auf die gesamte Christenheit miterleben, die jemals in der Geschichte vorgekommen ist. Zumindest in der Quantität, wenn nicht auch in der Qualität, überflügelt das sogar das erste Jahrhundert.“ (Der gesunde Aufbruch, Wolfgang Simson Verlag, 1989, S.15).
Das programmatische Buch dieser Bewegung war Vollmächtige Evangelisation (Projektion J, 1986/1987) von John Wimber und Kevin Springer.
Eine wichtige Person in der von John Wimber gegründeten Vineyard-Bewegung wurde auch Jack Deere. Auf Deutsch ist er vor allem durch seine 2 Bücher Überrascht von der Kraft des Heiligen Geistes (Projektion J 1995) und Überrascht von der Stimme Gottes (Projektion J, 1997) bekannt geworden.
Diese Welle sah ihre Aufgabe auch im „Befreiungsdienst“, also der Dämonenaustreibung aus Menschen, und später auch aus Städten (Befreiung von sogenannten „Territorialen Dämonen“) und Häusern. Diese „geistliche Kriegsführung“ wurde auch von Teilen der Pfingstbewegung kritisiert. So z.B. Wolfram Kopfermann in seinem Buch Macht ohne Auftrag (C&P / Koinonia, 1994).
John Goodwin, einst selber ein enger Mitarbeiter von John Wimber, hat nach seiner Trennung von dieser Bewegung das Büchlein Wimber the Gnostic – Testing the Fruit of the Vineyards geschrieben (St Matthew Publishing Ltd., Cambridge, UK, 1997/1998)


4) Prophetenbewegung
Ebenfalls zurückgehend auf die Spätregen-Bewegung und im Speziellen auf William Branham, kam in den 1990er Jahren die „Prophetenbewegung“ auf. Neue Propheten traten auch in der charismatischen Bewegung auf. Bisher waren solche – mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. William Branham – nur in den Irrlehren der Siebenten-Tags-Adventisten (Ellen G.White), Mormonen (Joseph Smith), Islam (Mohammed), usw. bekannt. Zuerst war es Paul Cain, der „Patriarch“ der Prophetenbewegung und dann andere mit ihm, die wegen ihres Wohnortes auch als „Kansas-City Propheten“ bekannt wurden. Weitere neue Propheten waren Rick Joyner, Bob Jones und Mike Bickle. Prophetische Eindrücke können nicht nur Menschen stark unter Druck setzen, sondern führen auch immer mehr vom Wort Gottes, der Bibel weg. Es sollte jeden Christen aufschrecken zu hören dass Paul Cain schon Visionen hatte, bevor er bewusst Christ wurde! (Dies bestätigt Rick Joyner in Prophetisches Bulletin Nr. 3, Stiftung Schleife, S.9).

Paul Cain wurde bekannt, weil er Menschen persönliche Details aus ihrem Leben offenbaren konnte – gleichzeitig lebte er aber selber in Homosexualität! Auch Rick Joyner verkündigt genau das Gedankengut der „Spätregenbewegung“. „Prophet sein“ kann man in dieser Bewegung auch lernen, z.B. in den „Schulen der Propheten“ (National School of the Prophet) in den USA. Eine bekannte Prophetin ist auch Cindy Jacobs.


5) Toronto-„Segen“ (1994-) / Pensacola (1995-) / Lakeland-Revival (2008-)
Anfangs 1994 kam es in der Airport Vineyard Church in Toronto zu spektakulären Erscheinungen wie Umfallen („Ruhen im Geist“), Lachen und Zittern. An dieser „Erweckung“, wie auch an der „Erweckung von Pensacola“ („Brownsville Revival“) 1995, war der Südafrikaner Rodney Howard Brown massgebend beteiligt, in dessen Versammlungen die Teilnehmer in „Heiliges Lachen“ ausbrachen. Eine weitere „Erweckung“ geschah mit Todd Bentley 2008 in Lakeland, Florida.


6) Die Neue Apostolische Reformation (NAR) (1995-)
Dem weltweiten Auftreten von Menschen, die sich als Apostel Jesu Christi betrachteten, stand bis zu seinem Tod der oberste Apostel C. Peter Wagner vor. Er war auch Gründungsmitglied der „Internationalen Koalition von Aposteln“. Mit dem Auftreten der Apostel glaubt man den biblischen „5-fachen Dienst“ gemäss Eph 4,11 wieder hergestellt zu haben (siehe unten). Bekannt wurde auch das „Seven Mountains Mandate“ (Sieben-Berge-Initiative), eine gesellschaftlich-politische Initiative, die alle Bereiche (Familie, Religion, Bildung, Medien, Kunst & Unterhaltung, Wirtschaft und Politik) der Welt unter christliche Kontrolle bringen will. Diese Bereiche werden als „sieben Berge“ bezeichnet. Diese Kontrolle soll u.a. durch Einnahme von Führungspositionen erreicht werden. Die Idee geht auf die 1970er Jahre und Persönlichkeiten wie Bill Bright (Campus für Christus) und Loren Cunnigham (Jugend mit einer Mission) zurück.
Mit The Passion Translation (TPT), auf Deutsch seit 2026 als Leidenschaftlich GELIEBT – Das Neue Testament erhältlich, hat diese
Bewegung eine eigene „Bibelübersetzung“ (siehe unten).
Im Umfeld der NAR ist auch seit den 1990er Jahren die Bethel-Church in Redding, einer Stadt im Norden Kaliforniens, weltweit bekannt geworden. Bethel-Church mit seinem Leiter Bill Johnson (*1951) ist aber auch eine der momentan umstrittensten Teile der charismatischen Bewegung. Diese Kirche hat auch einen riesigen weltweiten Einfluss, besonders durch ihre Bethel-Music. Während „Goldstaub“ und „neue Goldzähne“ bereits im Zusammenhang mit dem „Toronto-Segen“ allgemein bekannt wurden, hat die Bethel-Church nun noch neue Phänomene wie „herabfallende Engelfedern“ (!) und „Herrlichkeitswolken“ hinzugefügt. Goldzähne und Golderscheinungen sind auch in der Esoterik und im katholischen Marienkult bekannt. Was auch schon von Benny Hinn bekannt war, ist das „Grabsaugen“ („grave soaking“). Menschen besuchen die Gräber von verstorbenen Grössen der Charismatischen Bewegung, um deren „Salbung“ geistlich zu empfangen. In der Bethel Church kommt auch diese durch und durch spiritistische Praktik vor!