Patrick Tschui
Die Lehre der Geistestaufe in der Pfingstbewegung
2.Kapitel
In der Pfingstbewegung wird gelehrt, dass es für jeden Christen eine 2. Erfahrung, einen 2. Segen gibt. Diese „Geistestaufe“ sei klar von der Wiedergeburt zu unterscheiden.
„Wir [Pfingstler] messen dieser Taufe mit dem Heiligen Geist, ... einen ungeheuren Wert bei.“ (David Wilkerson, Das Kreuz und die Messerhelden, Leuchter-Verlag, 1963/1971, S.206f) (Hervorhebungen sind, wenn nicht anders vermerkt, hinzugefügt).
„Die Taufe im Heiligen Geist ist eine Erfahrung, die sich von der Wiedergeburt unterscheidet und dieser nachfolgt.“ (Gottes Gaben sind für heute, Aaron Linford, Verlag Johannes Fix, 1981, S.8)
„Die Bibel macht einen ganz deutlichen Unterschied zwischen diesen beiden Erfahrungen. Ganz besonders können wir dies in der Apostelgeschichte erkennen.“ (Ihr werdet Kraft empfangen, Don Basham, Leuchter-Verlag 1974/1988, S.22).
Diese charismatische Erfahrung gibt es auch in der römisch-katholischen Kirche. Aber weil diese lehrt, dass der Heilige Geist bei der (Säuglings-)Taufe empfangen werde, braucht man dort das Wort „Geisteserneuerung“.
Wozu soll die pfingstlerische Geistestaufe dienen?
Wie schon in der Heiligungsbewegung, wird die „Geistestaufe“ als Kraftausrüstung für den Dienst gesehen.
Wie bekommt man laut den Pfingstlern die „Geistestaufe“?
Während die Bibel an keiner Stelle lehrt, dass man überhaupt eine Geistestaufe nach Pfingsten suchen soll, finden sich in pfingstlichen Büchern vielerlei (unbiblische) Anleitungen dazu.
So steht z.B. im Buch Habt ihr den Heiligen Geist empfangen? (A.G. Dornfeld, Leuchter-Verlag, 1970) auf S. 91f:
„Erstens: Schliesse bitte deine Augen, erheb deinen Kopf und schaue auf Jesus ... Zweitens: Nun öffne deinen Mund weit! ... Drittens: Nun atme ein und aus – deinen Mund weit offen –, so tief wie du kannst. Tue das so lange, bis du die Gegenwart Gottes spürst. ...“ Und falls dem Leser dabei Zweifel kommen, schreibt er: „Der Teufel wird wahrscheinlich tausendmal versuchen, dich vom Zungenreden abzuhalten, nachdem du damit angefangen hast. ... Er gaukelt dir vor, dass du diese Worte dir selbst ausdenkst, dass es eine Phantasiesprache ist, ...“
Im Buch Ihr werdet Kraft empfangen (Leuchter-Verlag, 1974/1988, S. 72-86) empfiehlt Don Basham folgendes, um die „Geistestaufe“ zu erleben:
„Bitte, verkrampfen Sie sich nicht, sondern entspannen Sie sich. ... Fassen Sie also Vertrauen [in was?] und entspannen Sie sich. ... Nochmals möchte ich betonen, dass Sie sich dabei völlig entspannen sollten. ... Es gibt gute Gründe dafür [welche?], sich zu entspannen... Entspannen Sie sich ... Was Sie erlebt haben, ist echt.“
Diese Aussagen gleichen den Anleitungen eines Esoterik-Buches. Solches kommt in der Bibel nicht vor. Was ist das für ein Geist, der nur bei solchen Voraussetzungen wirken kann?
Die biblische Lehre der „Taufe im Heiligen Geist“
Die „Taufe im Heiligen Geist“ (bzw. „mit Heiligem Geist oder durch den Heiligen Geist) kommt im Neuen Testament in genau 7 Stellen vor. Allerdings wird nicht ein Nomen (die Taufe) gebraucht, sondern eine Verbform („taufen/getauft werden“).
Es macht keinen Unterschied, ob die Stellen übersetzt werden mit „getauft im (oder mit) dem Heiligen Geist“ oder „durch den Heiligen Geist“. Im Griechischen steht überall die Präposition „en“, die sowohl mit, in oder durch bedeuten kann. (In Mt 3,11 wird auch die gleiche Präposition für die Wasser- und die Geistestaufe verwendet; was leider nicht in allen Übersetzungen klar wird.)
Die ersten vier Stellen befinden sich am Anfang jedes Evangeliums: Matthäus 3,11; Markus 1,8; Lukas 3,16; Johannes 1,33. Johannes der Täufer sagt dort, dass der Herr Jesus Christus mit Heiligem Geist taufen wird (Zukunft). Als nächstes kündigt Jesus Christus in Apostelgeschichte 1,5 die baldige „Geistestaufe“ an Pfingsten an. Diese Verheissung wird in Kapitel 11,15f im Rückblick nochmals zitiert. Die letzte Stelle finden wir in 1. Korinther 12,13. Bedenken wir, dass es die Briefe der Apostel sind, in welchen wir die lehrmässige Erklärung für das finden, was sich in der Apostelgeschichte ereignet hat. Und hier steht nun in der Vergangenheitsform, dass alle (Gläubigen) durch den Heiligen Geist in den einen Leib getauft worden sind:
„Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib getauft worden... und sind alle in einem Geist getränkt worden.“
An keiner der 7 Stellen ist ein Mensch an diesem Vorgang beteiligt; es ist immer der Herr Jesus Christus, der „im/durch den Heiligen Geist“ tauft!
Die Frage „Hast Du schon den Heiligen Geist bekommen?“, die Pfingstler anderen Christen häufig stellen (siehe dazu später), kann von allen echten Gläubigen mit „Ja“ beantwortet werden, denn alle Wiedergeborenen haben den Heiligen Geist bei der Wiedergeburt bekommen (Röm 8,9; Gal 3,14.22; 4,6; Eph 1,13; vgl. Apg 19).
Es braucht und gibt kein weiteres Pfingsten, auch kein „persönliches Pfingsten“ nach der Bekehrung. Wenn man Apg 11,14-18 betrachtet, sieht man, dass die Gabe des Heiligen Geistes, welche Petrus mit dem Erleben an Pfingsten gleichsetzt, hier im Moment der Errettung auf die Gläubigen kam.
Es gibt auch keinen Unterschied zwischen „der Heilige Geist kam über jemanden“ und „der Heilige Geist kam in jemanden“, das zeigt ein Vergleich von Lukas 1,35 mit Matthäus 1,20 bezüglich Maria.
Die Pfingstbewegung unterscheidet nicht zwischen der „Taufe im/durch den Heiligen Geist“ und der „Fülle des Heiligen Geistes“. Dies führt dazu, dass sie als Belege ihrer „Geistestaufe“ auf Stellen verweisen, die von der „Fülle des Geistes“ sprechen. In der Bibel hingegen sehen wir einen klaren Unterschied.
Wolfhard Margies betrachtet die „Taufe mit Heiligem Geist“ als Abschluss der „Erfüllung mit Heiligem Geist“:
„Folglicherweise wird die Taufe im Heiligen Geist auch der Abschluss der Erfüllung mit dem Heiligen Geist sein.“ (Geistestaufe?, Geschäftsleute des vollen Evangeliums/STIWA-Verlag, 1986, S. 96)
Für seine Behauptung führt er keine Bibelstelle an.
Bezaleel (2.Mo 31,3) ist der erste Mensch in der Bibel, von dem es heisst, dass er „mit Gottes Geist erfüllt“ war.
In 13 Stellen im NT wird auf die Tatsache hingewiesen, dass Menschengruppen mit dem Heiligen Geist „erfüllt“ wurden (bzw. „voll Heiligen Geistes“ waren). In Eph 5,18 werden die Gläubigen (!) aufgefordert immer wieder (griech. Durativ) mit „Heiligem Geist erfüllt“ zu sein. Dies bedeutet unter seiner Kontrolle zu stehen (beachte den Vergleich mit dem Wein). Es gab schon vor Pfingsten (vor der „Geistestaufe“) Menschen, die mit Heiligem Geist erfüllt waren. Lk 1,15 zeigt, dass Johannes der Täufer mit dem Geist erfüllt war, lange bevor er von der „Geistestaufe“ sprach! Siehe auch Lk 1,41.67; 4,1; Apg 2,4 (an Pfingsten!); 4,8 (Petrus nach Pfingsten!); 4,31 (alle); 6,3.5f (Stephanus und 6 andere bevor Handauflegung!); 7,55 (Stephanus); Apg 9,17f (Paulus); 11,24 (Barnabas); 13,9 (Paulus); 13.52 (die Jünger) und sie konnten mehrmals mit „Heiligem Geist erfüllt werden“ (auch wenn sie an Pfingsten schon die „Geistestaufe“ erfahren hatten). An keiner dieser Stellen wird die Sprachenrede erwähnt, was wiederum ein Hinweis darauf ist, dass auch das Erfülltsein mit dem Heiligen Geist nicht mit der Geisttaufe der Pfingstbewegung identisch ist. Als Folge der „Fülle des Geistes“ predigte Petrus in Apg 9,20-22 den Juden, dass Jesus der Messias (Christus, der Gesalbte) ist.
Während die „Taufe im/durch den Heiligen Geist“ für die damals Gläubigen an Pfingsten nur einmal geschah und für die späteren Gläubigen bei der Bekehrung nur einmal geschieht, können (und sollen!) die Gläubigen dauernd/immer wieder in der „Fülle des Geistes“ leben.
Was versteht die Bibel unter der „Taufe mit Feuer“?
Der Ausdruck „Taufe mit Heiligem Geist und Feuer“ kommt in zwei Bibelstellen vor: Mt 3,11 und Lk 3,16.
Die Pfingstbewegung (und auch schon die Heiligungsbewegung) verwendet diesen Ausdruck oft parallel mit der Geistestaufe. Sie versteht darunter eine Taufe mit Heiligem Geist und Feuer. (Schon Irving und Baxter verstanden die „Taufe mit Feuer“ als kommendes 2. Pfingsten).
„Jesus ist heute noch der, der mit Geist und Feuer tauft... Wir glauben an Jesus, den Täufer mit Geist und Feuer.“ (Geistesgaben in Lehre und Praxis, Reinhold Ulonska, Leuchter-Verlag, 1983, S.22)
Die Charismatiker organisieren Konferenzen wie „Feuer 19“, „Catch the Fire“, „Spread the Fire“, „Claim the Fire“ oder „Awakening Fire 2020“.
Reinhard Bonnke schrieb Bücher mit den Titel Wenn das Feuer fällt, Der heilige Geist und seine Feuermenschen und seine (nicht gerade dünne, gebundene Autobiografie von 700 Seiten!) trägt den Titel Im Feuer Gottes.
Das Buch von Jack Hywel-Davies über das Leben des frühen Pfingstlers Smith Wigglesworth trägt den Titel Mit Feuer getauft.
Im Buch Geisteskraft und Geistesfülle von R.A. Torrey (Verlagsbuchhandlung Bethel, 1906), findet sich ein Kapitel mit dem Titel „Komm, Du Geist des Feuers“ (S. 55)
Was die „Taufe im Feuer“ in den beiden Stellen Matthäus 3,11 und Lukas 3,16 wirklich bedeutet, erkennt man im unmittelbaren Kontext. (Einmal mehr bestätigt sich, wie wichtig der Zusammenhang einer Bibelstelle ist!): Und zwar in beiden Versen gerade in den jeweiligen Versen vor und nachher: Mt 3,10+12 und Lk 3,9+17.
Man beachte, dass von zwei Gruppen von Menschen die Rede ist! Die eine Gruppe sind die Ungläubigen, die andere Gruppe die Gläubigen.
Vers 10: Es ist aber auch schon die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen!
11 Ich taufe euch mit Wasser zur Busse; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, so dass ich nicht gut genug bin, ihm die Schuhe zu tragen; der wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen.
12 Er hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne gründlich reinigen [=Gericht] und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.“ (vgl. Psalm 1,4)
Die einen werden „mit Heiligem Geist“, die anderen „mit Feuer“ getauft. Es handelt sich also um zwei verschiedene Taufen. „Feuer“ ist in der Bibel –nicht nur an diesen Stellen – ein Symbol für Gericht (vgl. auch die anderen Stellen in Matthäus: Mt 7,17-20; 13,30.40; ausserdem z.B. Lk 9,54; Offb 11,5; 2.Kö 1,10; Jes 66,15f). „Taufe mit Feuer“ bedeutet demnach Gericht/Verdammnis! (Vgl. auch Lk 12,49 und 2.Thess 1,8f).
Während Matthäus und Lukas also auch die „Taufe mit Feuer“ erwähnen, wird dieser Ausdruck in Markus, Johannes und in der Apostelgeschichte (!) weggelassen. Bei Matthäus und Lukas spricht Johannes der Täufer zur ganzen Volksmenge, also auch zu Ungläubigen („Pharisäer und Sadduzäer“, „Volksmenge“, „Schlangenbrut“ 3,7). Markus (1,4-8) und Johannes (1,29-35) erwähnen diese Gruppen nicht, und in Apostelgeschichte 1,5 spricht Jesus explizit nur zu seinen Jüngern.
Dies sieht auch Jonathan Paul, ohne allerdings die Folge für die „Taufe mit Feuer“ zu erkennen. Er schreibt über die Worte von Johannes dem Täufer in Matthäus 3,11:
„Und zwar sagte er dies nicht nur zu seinen Jüngern, die sich zum Teil später dem Heiland als Jünger anschlossen, nein, er predigte dies allem Volk und bezeugte es ebenso den gesetzlich frommen Pharisäern, wie den weltseligen Sadduzäern.“ (Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, Jonathan Paul, Christl. Verlag Fritz Franz, 1923/1956, S.11)
Im Hinblick auf Pfingsten sprach Jesus nur von der „Taufe mit Heiligem Geist“ (Apg 1,5), nicht von „Taufe mit Feuer“, denn diese fand nicht an Pfingsten statt (vgl. Apg 2; ebenso in Apg 11,15-17), sondern wird erst beim kommenden Gericht geschehen, wenn Jesus Christus wiederkommt.
Ja, aber spricht Apostelgeschichte 2,3 nicht von „Feuerzungen“? (so z.B. in der NeÜ). Nein! Die genaue Übersetzung lautet „Zungen wie von Feuer“. Es war also etwas, das aussah wie die Zungen, die bei einem Feuer nach oben lodern (Beobachtet dies beim nächsten Feuer beim Picknick oder im Cheminee!).
Eine zweite Erfahrung für die Jünger des Herrn?
Die Anhänger der Pfingst-/Charismatischen Bewegung – und auch schon in der Heiligungsbewegung z.B. Elias Schrenk – argumentieren, dass die Jünger des Herrn Jesus Christus vor Pfingsten errettet waren und dann an Pfingsten eine 2. Erfahrung hatten. Die Errettung und der Empfang des Geistes hätten also zu verschiedenen Zeitpunkten stattgefunden. Dies ist richtig, war aber eine einmalige geschichtliche Situation. Heute lebt niemand mehr, der vor Pfingsten gläubig wurde!
Was geschah in der Apostelgeschichte genau?
Gemäss Don Basham (Zitat weiter oben) sehe man den Unterschied zwischen der Wiedergeburt und der Geisttaufe besonders in der Apostelgeschichte. Nun haben die Pfingstler insofern Recht, als an mehreren Stellen in der Apostelgeschichte der Geistempfang/die Gabe des Heiligen Geistes mit menschlicher Beteiligung stattfand. Allerdings: Dies waren immer nur die Apostel.
Die Pfingstbewegung beruft sich dabei auf Apostelgeschichte 2, 8, 10 und 19.
Wir wollen uns nun die betreffenden Stellen näher anschauen. Die Apostel-geschichte berichtet über den Anfang der Gemeinde Jesu. Und in Apg 1,8 finden wir so etwas wie einen Überblick über die verschiedenen Stationen der Ausbreitung des Evangeliums und damit der Gemeinde: Jerusalem, Judäa, Samaria bis an das Ende der Welt.
Apg 2: Pfingsten war ein einmaliges Ereignis. Es ist die neutestamentliche Erfüllung des Festes von 3. Mose 23,15-16 und geschah genau 50 Tage nach der Auferstehung Jesu. Zur Zeit der Gründung der Gemeinde Jesu bestand diese ausschliesslich aus Juden (vgl. Mt 10,5f). Die „gottesfürchtigen Männer“ waren Proselyten (v.5; vgl. v.10), also Heiden, die zum Judentum übergetreten waren. In der zusammengekommenen Menge gab es auch einige, die den Aposteln Trunkenheit vorwarfen. Möglicherweise waren dies einheimische Juden, die keine der Fremdsprachen kannten, in denen die Apostel redeten.
Als nach der eindringlichen Botschaft von Petrus 3000 Menschen gläubig wurden, werden keine ausserordentlichen Phänomene beschrieben (v. 41).
Apg 8: In den Versen 5-17 lesen wir von Menschen, die Busse getan und die Wassertaufe empfangen hatten, aber trotzdem nicht „mit dem Geist getauft“ waren. Warum dies?
Die Juden waren den Samaritern gegenüber ganz feindlich eingestellt (Lk 17,16; Joh 4,9; 8,48). Nun hatten die ersten Samariter (= Halbjuden) dem Evange-lium geglaubt. Damit nicht von Beginn an getrennte Gemeinden aus Juden einerseits und Samaritern andererseits entstanden, mussten jüdische (!) Apostel kommen und sich mit den Samaritern identifizieren (Handauflegung!). Die gläubig gewordenen Samariter ihrerseits mussten sich den jüdischen Aposteln unterordnen, um den Heiligen Geist zu erhalten.
Als im weiteren Verlauf des Kapitels der gottesfürchtige äthiopische Kämmerer von ganzem Herzen an Jesus glaubt und getauft wird, werden wieder keine besonderen Vorkommnisse erwähnt. Er brauchte nichts Zusätzliches; er zog „voll Freude“ seines Weges (v.39)!
Apg 10: Zum ersten Mal wurde eine Gruppe von Nicht-Juden, also Heiden errettet, ohne dass sie zuvor zum Judentum übertreten mussten. Was für uns selbstverständlich ist, war für die Juden (selbst für Petrus) unerhört. Dies sieht man in den Versen 9-16 (Gottes vorbereitende Vision für Petrus); weiter in den Versen 20.28.45 und Kap. 11,1-18 sowie 15,7-9 (Petrus muss sich selber rechtfertigen!) (Man beachte auch die Reaktion der ungläubigen Juden in Apg 22,21-22: Bis zu welchem Wort hörten sie Paulus zu? Weitere Erklärungen zum Verhältnis von Juden und Heiden finden wir in Epheser 2,14-15.)
Beachten wir zwei wichtige Punkte: 1) Hier, wo Heiden (wie die meisten von uns es auch sind), an Jesus glauben und dadurch Vergebung der Sünden empfangen (V.43), kommt der Heilige Geist ohne Handauflegung eines Apostels auf sie. So geschieht es auch heute: Wir empfangen den Heiligen Geist durch den Glauben: Gal 3,2.5.14 („Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens?“; Eph 1,13; vgl. auch Joh 7,39. Dies war auch die Überzeugung von Paulus, vgl. Apg 19,2.
2) Am Sprachenreden konnte Petrus erkennen, dass die Heiden mit der Errettung auch „die Gabe des Heiligen Geistes“ erhalten hatten, gleichwie die Apostel „am Anfang“ (an Pfingsten)!
Apg 19: Dies ist wohl die am häufigsten von Pfingstlern angeführte Bibelstelle zum Thema „Geistestaufe“. Denn darin findet sich die Frage: „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen als ihr gläubig wurdet?“ (Vers 2). (Z.B. diente diese Bibelstelle als Untertitel für das Buch von A.G.Dornfeld über die „Geisttaufe“). Und auch Torben Søndergaard, der Gründer der neuen Bewegung „Die Letzte Reformation“ schreibt: „Diese Gläubigen waren noch nicht in Wasser auf den Namen Jesus Christus getauft und sie hatten den Heiligen Geist noch nicht empfangen. Somit taufte Paulus sie dort zu [sic!] Jesus Christus und als er ihnen dann die Hände auflegte, empfingen sie alle den Heiligen Geist und fingen an, in Zungen zu sprechen.“
Erneut wird bei dieser Bibelstelle deutlich, wie wichtig es ist, den Zusammenhang zu beachten. Es geht dort nicht um irgendwelche Jesus-Jünger oder Gläubigen irgend einer Kirche. Sie kannten nur die Taufe des Johannes (v.3!). Sie waren von jenem getauft worden, hatten aber nichts von Pfingsten erfahren. (Sie waren ja auch nicht in Jerusalem, sondern in Ephesus!). So waren dies sehr wahrscheinlich Jünger von Johannes dem Täufer (vgl. v.3 mit Lk 7,18f; Joh 1,35; 3,25). Auf alle Fälle gibt es heute sicher keine „Jünger“ mehr (auch keine Jünger des Herrn), die von Johannes dem Täufer getauft wurden, aber die darauffolgende Heilsgeschichte (Tod des Herrn am Kreuz, Auferstehung und christliche Taufe) nicht mitbekommen haben. Darum darf man aus dieser Stelle keine Lehre für heutige Gläubige ableiten! In einem ähnlichen Zustand befand sich übrigens auch Apollos (siehe gerade den vorigen Bibelabschnitt Apg 18,24-28). In v.25 heisst es auch von ihm: „er kannte nur die Taufe des Johannes“.
Zusammenfassung
In jeder der aufgezählten Situationen wurden ganze Gruppen – und zwar erstmals und einmalig – in die Gemeinde integriert. Die Lehre über Bekehrung, den Erhalt des Heiligen Geistes und seiner Gaben finden wir in den Briefen der Apostel. (Bemerkenswert ist auch, dass die Apostelgeschichte bei der Bekehrung von Einzelpersonen – dem Kämmerer, Paulus, Lydia, dem Gefängniswärter von Philippi, – nichts von Sprachenreden sagt, auch nicht bei den neubekehrten 3000 Juden an Pfingsten.)
Es sind 3 Hauptfehler, die die Pfingstbewegung (und auch z.T. schon die Heiligungsbewegung vor ihr) zu ihrer falschen Lehre über die „Geistestaufe“ führen:
1) Die Nicht-Unterscheidung zwischen „Geistestaufe“ und „Geistesfülle“.
2) Das Nicht-Beachten der einmaligen heilsgeschichtlichen Situation der ersten Jünger Jesu (und der Jünger Johannes des Täufers) (sie lebten vor und nach Pfingsten).
3) Die Nichtbeachtung der einzigen lehrmässigen Aussage in den Briefen der Apostel über das Getauftwerden mit Heiligem Geist in 1.Kor 12,13: „ihr seid alle... alle“.