Patrick Tschui

The Passion Translation (TPT) - Alles andere als eine Übersetzung...

Die TPT ist „eines der großartigsten Ereignisse im Bereich der Bibel­übersetzung, das ich in meinem Leben erlebt habe.“[1]

Das größte Problem der Bibelausgabe „The Passion Translation“ (TPT) liegt in ihrem Namen – genauer gesagt, im Begriff Übersetzung. In Wirklichkeit handelt es sich bei „The Passion Translation“ um eine Umschreibung, die allem Anschein nach dazu gedacht ist, eine bestimmte theologische Strömung zu unterstützen.[2]

PDF Download

 zurück

In dieser Arbeit trage ich Informationen zusammen, die helfen sollen, eine Bibelausgabe zu beurteilen, die in Englisch und Spanisch bereits Millionen von Christen beeinflusst und bald auch auf Deutsch angepriesen werden wird[3].

Vorbemerkung: Englische Zitate, besonders diejenigen aus der TPT, habe ich meistens durch DeepL ins Deutsche übersetzen lassen um persönliche Voreingenommenheit auszuschliessen. Hervorhebungen in Zitaten sind von mir hinzugefügt.

Meine Quellen für diese Arbeit sind Apps mit der ersten und der zweiten Ausgabe der TPT, eigene Recherchen im Internet, sowohl auf der Webseite der TPT wie auch auf kritisch eingestellten Seiten wie biblethinker.org/the-passion-project/, und folgende drei Bücher, die ich jedem Leser wärmstens empfehlen möchte, weil sie auch viele weitere sehr wichtige Aufklärung über aktuelle Strömungen enthalten:

- Georg Walter, Angriff auf die Wahrheit, edition predigt.archiv, 2021

- Richard P. Moore, Entwurzelt – Aktuelle christliche Irrtümer, CV Dillenburg, 2024

- Holly Pivet und R. Douglas Geivett, Das gefälschte Gottesreich, CV Dillenburg, 2025

 

Einleitung

„The Passion Translation“ (TPT) (auf Deutsch etwa „Die leidenschaftliche Übersetzung der Bibel“) ist eine englische Bibelversion, herausgegeben von Brian Simmons, einem US-Amerikaner, der zusammen mit seiner Frau Candice als Missionar und Gemeindegründer in Panama unter dem Volk der Paya-Kuna wirkte. Die TPT gibt die Bibel in einem stark emotionalen, sehr freien Stil wieder. Sie wird als Übersetzung vorgestellt, die „die tiefen Geheimnisse der Heiligen Schrift enthüllt“ (so auf der eigenen Homepage www.thepassiontranslation.com). Vom Herausgeber, der „BroadStreet Publishing“, wird sie als „Translation“ (Übersetzung) bezeichnet, aber viele Fachleute anerkennen sie nicht als ernsthafte Übersetzung, sondern sehen sie als paraphrasierende (umschreibende) Neufassung mit stark interpretativen Elementen.

Die 1. englische Ausgabe des Neuen Testaments der TPT zusammen mit 3 Büchern des Alten Testaments erschien im Oktober 2017. Nur ein Jahr später folgte eine 2. Ausgabe (2nd edition) mit Korrekturen[4]. 2024 sind ausserdem in 5 Bänden 9 weitere Bücher des AT erschienen. Die vollständige Ausgabe soll im Jahr 2029 abgeschlossen sein.

Auch auf Spanisch ist die TPT als Traducción La Pasión zumindest als App „TPT Espanol“/ „The Passion Bible in Spanish“ erhältlich.

Eine exakte Gesamtauflage ist nicht veröffentlicht, aber die Verbreitung liegt, gemäss Internet, mindestens im Bereich von mehreren Millionen Exemplaren (≥ 2,5 Mio.).

 

1. Wie wird die Herausgabe einer weiteren Übersetzung begründet?

„Der Grund dafür ist einfach: Gott möchte, dass seine Botschaft der Liebe in jeder Kultur, jeder Gemeinschaft und jeder Sprache verstanden wird. Etwa alle hundert Jahre unterliegt der Wortschatz der Menschen einem dramatischen Wandel. In unserem Zeitalter der modernen Technologie vollzieht sich dieser Wandel sogar noch schneller. Daher ist es wichtig, dass die Übersetzungen der Bibel mit den Veränderungen der englischen Sprache Schritt halten.“[5]

Beworben wird die Bibel auch mit dem Zusatz „Die Bibel für eine neue Generation“.

Es stimmt, dass sich Sprachen mit der Zeit verändern, wenn auch nicht so schnell, wie es oft dargestellt wird, um eine neue Übersetzung zu rechtfertigen. In den letzten Jahrzehnten sind allerdings bereits unzählige englische Übersetzungen oder -übertragungen erschienen.[6]

Aus der Sicht von Brian Simmons fehlt den bisher erschienenen Übersetzungen anscheinend die „Leidenschaft“ (engl. „passion“). Mussten also die Bibelleser fast 2000 Jahre lang ohne diese Zusatzqualität auskommen? Und alle Bibelübersetzungen in andere Sprachen ausser Englisch und Spanisch haben diesen angeblichen Vorteil dann anscheinend auch nicht.

 

2. Was weiss man über Brian Simmons, den Übersetzer der TPT und über seine Qualifikationen?

Auf der Homepage der TPT wird er so vorgestellt:

„Nach einer dramatischen Bekehrung zu Christus im Jahr 1971 folgten Brian und Candice dem Ruf Gottes, alles hinter sich zu lassen und Missionare für unerreichte Völker zu werden. Sie zogen mit ihren drei Kindern in den Dschungel Mittelamerikas und gründeten dort viele Jahre lang Gemeinden unter dem Volk der Paya-Kuna. Simmons baute Leiterschaft für die von Jesus gegründeten Gemeinden auf und half beim Projekt zur Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache der Paya-Kuna.“[7]

„Brian ist Linguist, Geistlicher, Bibellehrer und ehemaliger Missionar. Als Missionare leisteten er und seine Frau Candice Pionierarbeit bei der Gründung neuer Gemeinden in Mittelamerika. Als Linguist unterstützte Brian das Projekt zur Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache der Paya-Kuna in Panama.“[8]

Brian selber schreibt: „Während dieser Zeit war ich als Linguist am Übersetzungsprojekt für das Neue Testament in der Paya-Kuna Sprache involviert.”[9]

Früher hatte Brian sich als Mitübersetzer am Wycliffe Projekt für die Paya-Kuna bezeichnet, was Shane Runnels[10] zu einer genauen Nachforschung bewegte. Ein Vertreter von Wycliffe hat auf seine Nachfrage hin klargestellt, dass Simmons nie Mitglied der Wycliffe Bible Translators war, sondern im Rahmen seiner Tätigkeit bei New Tribes Mission nur mithalf, die Verständlichkeit der übersetzten Texte mit den Einheimischen zu überprüfen. „Es wäre nicht zutreffend, ihn als Übersetzer oder Mitübersetzer zu bezeichnen, da er nicht in die Sprachanalyse oder Übersetzung involviert war.“ Zudem kehrte er mindestens 6 Jahre, bevor die Paya-Kuna-Bibel erschien, in die USA zurück.

Die New Tribes Mission (heute Ethnos360) bestätigte, dass Simmons mit ihrer Organisation in Panama war, dass aber niemand von ihren Mitarbeitern an der Übersetzungsarbeit von Wycliffe beteiligt war.

Da Brian Simmons nicht angibt, wo er als Linguist ausgebildet wurde oder die für eine Bibelübersetzung notwendigen gründlichen Kenntnisse in den Ursprachen der Bibel erworben hat, recherchierte Shane Runnels auch dazu und erfuhr, dass an den Ausbildungsstätten, die Brian Simmons besucht hatte (das Wagner​ ​L​eadership Institute und die Bibelschule von New Tribes Mission – heute Ethnos360) gar keine Hebräisch- und Griechischkurse angeboten werden. [11]

Wir wissen also über Brian Simmons, dass er keine fachliche Ausbildung in den biblischen Ursprachen hat, dass er sich aber als Linguist (und auch schon als Mitübersetzer des Paya-Kuna NT) bezeichnet, um seine Kompetenz zur Übersetzung der Passion Bibel zu belegen.

Auf seiner Homepage „www.passionandfire.com“ nennt er sich wiederholt „Dr.“ Diesen Doktortitel erhielt Simmons aber vom nicht staatlich akkreditierten „Wagner​ ​Leadership Institute“ (seit 2017: „Wagner University“) im Fachbereich Gebet.[12] In Deutschland und der Schweiz  dürfte er diesen Titel nicht führen.

Simmons gibt aber auch ganz andere, übernatürliche Befähigungen zu diesem Projekt an, z.B. in der Fernsehshow „It’s supernatural“ mit Sid Roth vom 2. Februar 2015[13]: Daraus ein wichtiger Ausschnitt:

Sid Roth: Im Jahr 2009 bekommt Brian Simmons einen neuen Auftrag. Was geschah?
Brian Simmons: „Jesus Christus kam in mein Zimmer. Er hauchte mich an. Und er beauftragte mich ...  ‚Ich beauftrage dich, die Bibel in das Übersetzungsprojekt zu übersetzen, das ich dir gebe‘. Und er versprach, mir zu helfen, und er versprach mir, mir die Geheimnisse der hebräischen Sprache zu offenbaren. ... Und ich spürte, wie Downloads kamen; augenblicklich erhielt ich Downloads. Es war, als hätte man mir einen Chip implantiert. Ich bekam eine Verbindung in mir, um ihn besser hören zu können. Um die Schriften besser zu verstehen ...“[14]

So kann Simmons jede Änderung, die er am Text vorgenommen hat (Beispiele in Kapitel 5), als Neuoffenbarung von Jesus Christus begründen! Wer ihm diese direkte Beauftragung durch Jesus abnimmt, wird nichts hinterfragen, sondern – was Simmons ja will – den neuen Text als neues Wort Gottes für unsere Zeit annehmen.

 

3. Auf welchem Grundtext basiert die TPT?

Die Angaben, welche Urtexte Simmons genau brauchte, werfen weitere Fragen auf:

„Für das Alte Testament konsultierte Brian Simmons den masoretischen Text der hebräischen Bibel und aramäische Texte in Verbindung mit der Septuaginta. Es wurden mehrere hebräische Texte verwendet, insbesondere die Ausgabe Biblia Hebraica Stuttgartensia (1977). Für das Neue Testament verwendete er das von Nestle und Aland herausgegebene Novum Testamentum Graece (derzeit in der 28. Auflage) als griechischen Grundtext, wobei er Erkenntnisse aus der syrischen (aramäischen) Peshitta einfließen ließ.[15]

Hat Simmons den masoretischen Text des AT nur konsultiert (engl. „consulted“)? Das tönt so, als hätte er ihn nur ab und zu angeschaut. Und welche anderen hebräischen Texte ausser der Biblia Hebraica Stuttgartensia hat er noch gebraucht?

Ein weiteres grosses Problem ist die Betonung der Zusatzerkenntnisse aus aramäischen Texten. Immer wieder erwähnt Simmons, dass Jesus und seine Apostel aramäisch gesprochen und gelehrt haben. Allerdings handelt es sich bei der Peshitta keineswegs um originale aramäische Manuskripte des NT, im Gegenteil, sie wurde erst zu Beginn des 5. Jahrhunderts n.Chr. vom Griechischen ins Aramäische übersetzt! Gemäss einer inzwischen entfernten Aussage in den TPT FAQs hat Simmons die englische Übersetzung der Peshitta durch A.G. Roth benutzt. (Diese entstand 2008.)

Dr. Michael Rydelnik erklärt:

„Die Passion Translation stützt sich auf die falschen Manuskripte. Obwohl sie behauptet, auf Hebräisch, Aramäisch und Griechisch zu basieren, erklärt Simmons, dass die ungewohnten Übersetzungen dieser Version aus den ursprünglichen aramäischen Texten des Neuen Testaments stammen. Da das Neue Testament auf Griechisch geschrieben wurde, was meint er damit? Nun, er meint, dass Jesus und alle anderen Personen in den Evangelien Aramäisch gesprochen hätten. Simmons stellt also manchmal Vermutungen darüber an, wie das griechische Neue Testament ausgesehen hätte, wenn es auf Aramäisch geschrieben worden wäre. Dann verwendet er diese Spekulationen für seine Übersetzung. In anderen Fällen verwendet er die syrische Version, die 500 Jahre nach den Evangelien übersetzt wurde und nicht einmal aramäisch ist, und bezeichnet diese als „das ursprüngliche Aramäisch”. Dieser Ansatz ist keine Übersetzung der Bibel, sondern reine Spekulation. Keine andere Übersetzung oder Paraphrase hat dies jemals zuvor getan.“[16]

Die genauen Quellen, Verfahren und Manuskripte, auf denen TPT basiert, sind nicht öffentlich nachvollziehbar und die behaupteten aramäischen Texte zum NT existieren gar nicht!

 

4. Ist die TPT eine Übersetzung oder eine Übertragung (Paraphrase)?

Dem sehr oft vorgebrachten Vorwurf, die TPT sei eine Paraphrase (Umschreibung, Übertragung), keine Übersetzung, wird auf der TPT Homepage mit der irreführenden Behauptung entgegnet, eine Paraphrase sei eine Neubearbeitung einer bestehenden Übersetzung, was die TPT nicht sei. „Eine Übersetzung dagegen nimmt die biblischen hebräischen, aramäischen und griechischen Handschriften als Grundtext für eine neue Bibelversion“.[17]

(In Kapitel 5 belege ich, warum die TPT trotzdem mit Recht als eine Paraphrase bezeichnet werden kann.)

Eine Übersetzung muss dem Text treu bleiben. TPT jedoch „übersetzt“ teilweise so frei, dass manche Passagen eher wie eine Auslegung oder theologische Interpretation als wie eine neutrale Übersetzung wirken. Das birgt die Gefahr, dass Leser das Ergebnis für den biblischen Wortlaut halten – obwohl es in Wahrheit eine Umschreibung von Brian Simmons ist.

Zentrale Kritik von Fachleuten ist, dass TPT mehr interpretiert als übersetzt. Das heißt: Statt der wörtlichen (oder wenigstens sinngemäßen Wiedergabe des biblischen Textes) fügt sie oft Gedanken, Bilder und emotionale Elemente hinzu, die in den Originaltexten nicht vorhanden sind.

Sinngemässe Wiedergaben des biblischen Textes sind heute zwar in vielen „Übersetzungen“/ Übertragungen gang und gäbe, werden aber dem inspirierten Bibeltext, der wörtlich inspiriert ist, nicht gerecht.

Dies äußert sich zum Beispiel in weit längeren Textversionen, bei denen Verse und ganze Passagen erweitert oder „emotionalisiert“ werden – mit Worten wie „quer durch dein Leben“ oder „Gottes leidenschaftliche Liebe“, die über das eigentliche Original hinausgehen.

Das Wort Gottes wird also durch das Wort von Brian Simmons verdrängt und sogar ersetzt!

 

5. Beispiele von Verfälschungen

Veränderungen im Bibeltext sind vor allem dort zu erwarten, wo die übersetzende Gruppe (z.B. die Zeugen Jehovas) oder der Übersetzer (Brian Simmons im Fall der TPT) eine „theologische Schlagseite“ haben[18]. Die Auswahl der folgenden Stellen erfolgt also nicht willkürlich, sondern betrifft Themen, die in der Bewegung der Neuen Apostolischen Reformation wichtig sind, wie das Auftreten neuer Apostel, besondere Wirkungen des Heiligen Geistes und die Gleichstellung von Mann und Frau in allen Aufgaben und Leitungsfunktionen der Gemeinde. [19]

5.1. Beispiele für Verfälschungen im Bibeltext

Die Verse der TPT in dieser Stellungnahme folgen – wenn nicht anders angegeben – der Ausgabe als Smartphone-App Holy Bible (TPT) The Passion Translation. Dabei wurde die Englische „Übersetzung“ bzw. die englischen Anmerkungen so wörtlich wie möglich ins Deutsche übersetzt (wie bereits erwähnt oft auch mit Hilfe von DeepL, um eine Voreingenommenheit des Herausgebers dieser Arbeit auszuschliessen).

Zuerst folgen Beispiele aus dem Neuen Testament, dann noch ein paar Beispiele aus dem Alten Testament.

Matthäus 10,2: „Dies aber sind die Namen der ersten zwölf Apostel“ (TPT, 1. Ausgabe)

„Nachdem Kritiker ihn darauf hingewiesen hatten, dass er „erste“ hinzugefügt hatte, entfernte Simmons dieses Wort, ohne auf diese Änderung hinzuweisen oder zu erklären, warum er sie vorgenommen hatte. In seiner aktualisierten Ausgabe der Passion Translation von 2020 liest sich dieser Vers nun ähnlich wie in den anderen grossen Übersetzungen. Der Schaden bleibt jedoch bestehen, da viele Menschen die Passion Translation vor der aktualisierten Version gekauft haben und diesen Vers daher immer noch so lesen, wie er ihn ursprünglich wiedergegeben hat.“[20]

In mindestens zwei Apps der TPT ist die alte Version auch weiterhin vorhanden.

Wie kann aber Simmons überhaupt auf diese Formulierung „der ersten zwölf Apostel“ kommen?

Hier zuerst die wörtliche Wiedergabe von Mt 10,2: „Aber von den zwölf Aposteln die Namen sind diese: als erster Simon, genannt Petrus, und...“[21]

Zuerst dachte ich, dass Simmons vielleicht das Wort „erste“, anstatt es auf Simon Petrus zu beziehen, zu „Apostel“ vorgezogen hat, was aber grammatikalisch nicht möglich ist[22] und zeigen würde, dass er äusserst schlecht Griechisch kann.

Doch dann entdeckte ich eine TPT App mit der 1. Version, in der das engl. Wort first zweimal vorkommt: „Und dies sind die Namen der ersten [first] zwölf Apostel: an erster Stelle [first] Simon ...“. Deshalb sehe ich keine andere Erklärung, als dass Simmons wirklich bewusst die Bibel an dieser Stelle fälscht, um seine eigene Überzeugung zu stützen.

(Um eine der angeblich direkten neuen Offenbarungen kann es sich auch nicht gehandelt haben, sonst hätte Simmons das Wort in der nächsten Auflage nicht wieder entfernen dürfen!)

Markus 1,15: „Seine Botschaft lautete: ‚Endlich ist die Vollendung der Zeit gekommen! Es ist an der Zeit, dass das Reich Gottes [engl. the realm of God’s kingdom] in seiner ganzen Fülle erfahren wird! Wendet euch wieder Gott zu und setzt euer Vertrauen auf das hoffnungsvolle Evangelium!’“

Die biblische Aussage, dass das Reich Gottes nahe gekommen ist, (in der Person des Herrn Jesus Christus vor 2000 Jahren!) wird hier in charismatischer Weise mit einer Erfahrung verbunden und zudem noch ergänzt: „dass das Reich Gottes in seiner ganzen Fülle erfahren wird“.

Sehr oft übersetzt Simmons das griechische Wort basileia (Reich) nicht wie üblich mit „kingdom“, sondern mit „realm“ (Bereich, Sphäre, Königreich). Dies ist ebenfalls ein typischer Begriff der Neuen Apostolischen Reformation (NAR) mit der Bedeutung, dass das Reich Gottes gegenwärtige Realität ist. Dies wird z.B. in Mt 10,7 deutlich, wo er „Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen“ so erweitert: „Die Sphäre des Reichs des Himmels ist zugänglich, nah genug um sie zu berühren“[23] . Über 40 weitere Male schreibt er „kingdom realm“ für das eine griechische Wort basileia.

Johannes 14,12: Dieser Vers wird in der TPT folgendermassen übersetzt: „Ich sage euch diese zeitlose Wahrheit: Wer mir im Glauben folgt und an mich glaubt, wird dieselben mächtigen Wunder vollbringen wie ich – ja, sogar noch größere Wunder als diese, denn ich gehe zu meinem Vater!“

Hier unternimmt Simmons zwei Änderungen gegenüber einer bibeltreuen Übersetzung:

1) Statt „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch“ ändert Simmons dies in „Ich sage euch diese zeitlose Wahrheit“.

2) Statt „(grössere) Werke“ ändert Simmons dies in „(grössere) Wunder“.

Es handelt sich nicht um zwei mögliche Übersetzungsvarianten, sondern um Anpassungen im Sinne der „Charimatischen Bewegung“. In der ersten Änderung gibt Simmons zu erkennen, dass er glaubt, dass die Aussage in Vers 12 über die Jünger hinaus auch in der heutigen Zeit gilt. Das darf er glauben, aber das Wort Gottes sagt das hier nicht aus. „Wahrlich, wahrlich“ (griech. „Amen, amen“) steht an dieser Bibelstelle.

Und zweitens spricht der Herr von „Werken“ (griech. erga, übrigens auch in den vorherigen Versen 10 und 11), nicht von „Wundern“ (griech. terata, wie z.B. in Joh 4,48). Wer hat grössere Wunder als Jesus Christus getan? Welcher Charismatiker ist auf dem Wasser gegangen, hat einen, der 3 Tage tot war, lebendig gemacht, usw.? Wenn Charismatiker ehrlich sind, müssen sie zugeben, dass niemand grössere Wunder als Jesus Christus getan hat. Auch aus diesem Grund kann hier nicht von „grösseren Wundern“ die Rede sein, sondern von „grösseren Werken“.

Johannes 14,16 wörtlich nach TPT: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Retter [engl. Savior!] geben, den Heiligen Geist der Wahrheit, der euch ein Freund sein wird gerade so wie ich – und er wird euch nie verlasssen.“ Die krasse Falschübersetzung von „Beistand“ (griech. parakletos) zu „Retter“ begründet Simmons in einer langen Fussnote. Er verweist auf zwei aramäische Wörterbücher und gibt zwei griechische „Strongnummern“ an: Gr. 6561 und Gr. 6562. Nur: Das Wörterbuch von Strong geht nur bis 5624! Die Wortänderung von Simmons lässt sich also nicht nachvollziehen, und auch für die Erweiterung „der euch ein Freund sein wird so wie ich“ gibt es keinerlei Grundlage.

Apg 19,1: TPT übersetzt mit „eine Gruppe von 12 Nachfolgern von Jesus“. Es geht mir nicht um das Einfügen der Zahl 12, die Simmons als Übernahme von v. 7 erklärt, sondern um den Ausdruck „Nachfolger von Jesus“. Was ist das Problem hier? Im Griechischen steht nur „Jünger“ oder „Nachfolger“. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil Pfingstler sehr oft auf Apg 19 hinweisen, um zu „belegen“, dass es möglich sei, den Heiligen Geist nicht schon bei der Bekehrung zu erhalten. (Vers 2).

Bei dieser Bibelstelle wird besonders deutlich, wie wichtig es ist, den Zusammenhang zu beachten. Es geht dort nicht um irgendwelche Jesus-Jünger oder Gläubige irgend einer Kirche. Sie kannten nur die Taufe des Johannes (v.3!). Sie waren von diesem getauft worden, hatten aber nichts von Pfingsten erfahren. (Sie waren ja auch nicht in Jerusalem, sondern in Ephesus!). So waren sie mit grosser Wahrscheinlichkeit Jünger von Johannes dem Täufer (siehe v.3!, vgl. auch z.B. Lk 7,18; Joh 1,35; 2,18). Heute gibt es keine Menschen mehr (auch keine Jünger des Herrn), die von Johannes dem Täufer getauft wurden, die aber die darauffolgende Heilsgeschichte (Tod des Herrn am Kreuz, Auferstehung und christliche Taufe) nicht mitbekommen haben.

Mit der Einfügung von „Nachfolger von Jesus“ lenkt Simmons seine Leser schon in die charismatische Richtung.

1. Kor 13,10: Statt „das Vollkommene“ steht „die Vollkommenheit der Liebe“ [engl. „love’s perfection“]. Und damit verhindert Simmons ein Verständnis, dass „das Vollkommene“ die vollständige Offenbarung des Wortes Gottes ist. Vergleiche dazu meine Arbeit „1.Kor 13,8-13“[24]

1.Kor 14,4 (TPT): „Wer in Zungen redet, fördert seinen eigenen geistlichen Fortschritt, …“. Diese Formulierung gibt dem Vers eine eindeutig positive Bedeutung. Der wörtliche Ausdruck „erbaut sich selbst“ lässt auch die negative Auslegung zu, dass das Zungenreden nicht die anderen erbaut, was der eigentliche Sinn der geistlichen Gaben wäre.

1. Kor 14,34 (TPT): „Die Frauen sollen während der Beurteilung der Prophezeiungen in den Versammlungen respektvoll schweigen. Sie dürfen nicht unterbrechen, sondern sollen eine unterstützende Rolle einnehmen, wie es das Gesetz tatsächlich vorschreibt.“

Man vergleiche diese Version mit einer wörtlichen Übersetzung von 1.Kor 14,34:

„Die Frauen sollen in den Versammlungen schweigen, denn es wird ihnen nicht erlaubt zu reden; sondern sie sollen sich unterordnen wie auch das Gesetz sagt.“

Die hinzugefügten Worte sind in bold, die veränderten (abgeschwächten) Wörter in Kursivschrift:

„Die Frauen sollen während der Beurteilung der Prophezeiungen in den Versammlungen respektvoll schweigen. Sie dürfen nicht unterbrechen [statt „reden“], sondern sollen eine unterstützende Rolle einnehmen [statt „sich unterordnen“], wie es das Gesetz tatsächlich vorschreibt.“

Das Wort für „reden“ ist im Griechischen „lalein“. Das gleiche Wort verwendet der Bibeltext auch in den Versen 28 und 29, sowie Vers 39. In diesen Versen übersetzt Simmons korrekt mit „sprechen“ oder „reden“. Warum nicht in den Versen 34 und 35?

In der Anmerkung zu Vers 35 schreibt Simmons: „Eine Auslegung dieses Bibelabschnittes besteht darin, dass Paulus aus einem Brief zitiert, welchen die Korinther ihm geschrieben haben. Sie wären demnach diejenigen, die sagen würden, dass eine Frau still sein solle und Paulus antwortet auf ihre Fragen. Mit anderen Worten, sie [die Korinther] hätten eine Regel in der Kirche aufgestellt, die Paulus in Vers 36 widerlegt.“ Simmons listet dann weitere Argumente für diese spezielle Auslegung auf, die erst um 1918 von zwei Frauen der Heiligungsbewegung mit Namen „Katharine Bushnell“ und „Jessie Penn-Lewis“ erstmals vorgeschlagen wurde[25]. Die vielen anderen Auslegungsmöglichkeiten erwähnt er nicht.

1. Tim 2,11+12 (TPT): „Die neu bekehrten Frauen sollen bereit sein, in aller Unterordnung unter ihre Leiter zu lernen und nicht voreilig zu sprechen. Ich befürworte nicht, dass die neu bekehrten Frauen in der Gemeinde als Lehrerinnen auftreten und Autorität über die Männer ausüben, sondern dass sie in Frieden leben.“ (kursiv im Text der TPT).

Mit der Kursivsetzung von Wörtern weist die TPT gelegentlich (aber längst nicht immer) darauf hin, dass sie im Urtext nicht vorhanden sind. In einer kurzen Anmerkung begründet Simmons die Hinzufügung: „Im kulturellen Kontext jener Zeit impliziert und verstanden“. Warum begründet es aber Paulus in den folgenden Versen 13ff nicht mit der Kultur, sondern mit der Schöpfung?

Der Vergleich mit einer wörtlichen Übersetzung zeigt zudem Abschwächungen (sollen bereit sein; ich befürworte nicht: in Frieden leben) und weitere Hinzufügungen (nicht voreilig sprechen.) Da die NAR (und allgemein die charismatische Bewegung) Frauen in Führungspositionen zulässt, werden diese krassen Veränderungen aber gerne als Gottes neue Offenbarung angenommen.

(Das Wort „Neubekehrter“ wird in 1. Tim 3,6 im Zusammenhang mit Ältesten gebraucht, aber nicht in 2. Tim 2,11+12.)

Da in der NAR viele davon sprechen Gott, bzw. Jesus Christus gesehen zu haben, ist auch eine Anpassung von 1.Tim 6,16 angenehm. Statt „... den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann“, schreibt die TPT: „Niemand hat jemals seine Fülle gesehen, noch kann es jemand.“ Auch Johannes 1,18 („Niemand hat Gott je gesehen“, S2000) relativiert die TPT mit: „... die ganze Herrlichkeit Gottes“. So ist es möglich, Gott zu sehen, einfach nicht in ganzer Fülle.

Zuletzt noch ein Beispiel aus dem AT:

Wer kennt nicht den Anfang von Psalm 23: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. In der TPT liest sich dies so: „Der Herr ist mein bester Freund und mein Hirte. Ich habe immer mehr als genug.“ Ist das nicht eine deutliche Verschiebung in Richtung Kuschelgott und Wohlstandsevangelium?

Aber nicht nur der Bibeltext wird verändert, sondern auch die zusätzlichen Anmerkungen lenken die Leser in eine falsche Richtung.

5.2. Beispiele für Irreführungen in den Anmerkungen

TPT Anmerkung zu Mt 3,11: „Der Text ist irgendwie mehrdeutig, um welche Art von Feuer es sich handelt. Einige sehen das Feuer als Gericht, jedoch sandte Jesus uns den Heiligen Geist, der seine Kirche an Pfingsten mit Feuer taufte.“

Zu Lukas 3,16 (TPT: „Ich kann euch nur in diesem Fluss taufen, aber er wird euch im Geist der Heiligkeit und in seinem lodernden Feuer taufen“) steht in einer Anmerkung: „Der aramäische Text lautet: ‚Er wird euch im Geist des Heiligen und im Licht taufen.‘ Eine Taufe im Licht des Feuers würde ein Leben reinigen und verwandeln und neue Kraft schenken, für Gott zu leben und alle Hindernisse zu überwinden, die verhindern, dass Liebe und Leidenschaft in unseren Herzen lodern. Es ist die Taufe im Heiligen Geist, die alle Gläubigen heute nötig haben.

In den (nur) 2 Bibelstellen, wo von „Taufe mit Feuer“ die Rede ist, nämlich in Mt 3,11 und Lk 3,16 sieht man die Bedeutung von „Feuer“ gerade im unmittelbaren Textzusammenhang. In Mt 3,10 (das ist gerade der Vers vorher) ist die Rede von der Axt, die schon an die Wurzel der Bäume gelegt ist. „Jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“ Und im nächsten Vers (Mt 3,12) wird das Feuer wieder als Gericht erklärt: „Er [Jesus Christus] hat die Wurfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne gründlich reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer“. (Bei Lukas findet sich die Erklärung des Feuers in Kap 3, Verse 7, 9 und 17.) An Pfingsten fand keine „Taufe mit Feuer“ statt, sondern der Heilige Geist kam mit Zungen „wie“ von Feuer. Das ist ein Vergleich: Es sah aus wie emporlodernde Flammen, die wir in Kaminen oder offenen Feuerstellen beobachten können. So sah es aus.

TPT Anmerkung zu Apg 1,5: „das Aramäische impliziert, dass sie [die Apostel] die Taufenden seien...“

Auch wenn es einen aramäischen Text gäbe, der dies implizieren könnte, so wäre es falsch. Dass die Apostel die Geistestaufe vermitteln, entspricht zwar der Lehre der NAR, aber in der Bibel ist Jesus Christus der mit Heiligem Geist Taufende und nicht Menschen. Man lese Mt 3,11; Mk 1,8; Lk 3,16 und Joh 1,33!

Apg 2,11: Zuerst der Text der TPT: „Und doch hören wir sie von Gottes mächtigen Wundern in unseren eigenen Dialekten sprechen!“ und dann die Anmerkung von Simmons: „Dies ist das Allheilmittel gegen den Fluch von Babel, durch den die Menschen durch Sprachen getrennt wurden (Gen 11,9). Nun vereint uns in Christus die Sprache des Geistes in ihm.“

(Zur Übersetzung von Apg 2,11 nur ein kurze Bemerkung: In Apg 2 wird tatsächlich von „Dialekten“ gesprochen (vgl. v. 6+8). Aber gerade in diesem Vers 11 ist von „Sprachen“ und nicht von „Dialekten“ die Rede. Simmons hingegen gibt dafür Vers 6 mit „Sprache“ wieder).

Simmons meint mit „Dies ist das Allheilmittel“ ja sicher das „Zungenreden“ oder wie es in der charismatischen Bewegung auch genannt wird, die „Sprache des Geistes“. Aber gerade in diesen Versen der Apostelgeschichte erkennt man doch, dass es sich beim „Sprachenreden“ um echte, menschliche Sprachen, ja Dialekte handelte (solche werden in den Versen 9+10 sogar aufgezählt) und nicht um ein unverständliches Geplapper.

TPT Anmerkung zu 1.Korinther 12,13: „Dies ist keine Taufe im Geist (Mt 3,6), sondern eine Taufe in den Leib Christi...“ (Die angegebene Bibelstelle Mt 3,6 spricht allerdings über die Wassertaufe. Vermutlich meint Simmons Mt 3,11 oder Lk 3,16)

Simmons unterscheidet also zwischen der „Geistestaufe“ und einer „Taufe in den Leib Christi“. Dies muss er auch, denn sonst lehrt dieser Vers – was er in Wirklichkeit auch tut – dass alle Gläubigen bei der Wiedergeburt mit dem Heiligen Geist getauft wurden.

Das Problem mit dieser Unterscheidung ist, dass es sowohl in 1. Korinther 12,13, wie auch in Mt 3,11 heisst, dass die Taufe „im“ Geist“ geschieht (das griechische „en“ kann sowohl als „mit“, „durch“ oder „in“ übersetzt werden). Wie kann dann Simmons in 1.Kor 12,13 sagen, dass es sich nicht um eine „Taufe im Geist“ handelt?!

TPT Anmerkung zu 1. Korinther 14,2: „Dieser Vers macht klar, dass es sich bei den Sprachen, auf welche sich Paulus bezieht, um keine bekannten Sprachen handelt, sondern um geist-inspirierte Äusserungen.“

Diese Folgerung ist aber nicht zwingend – es kann auch sein, dass die Sprachen nicht verstanden werden, weil keiner der Anwesenden sie gelernt hat (weder als Kind noch später als Fremdsprache)!

TPT Anmerkung zu Eph 4,11: „Das Aramäische kann auch mit „Prediger“ übersetzt werden.

TPT Anmerkung zu Eph 4,30: „der aramäische Text liest“.

Nochmals: Es gibt keinen aramäischen Text ausser der Peshitta, die anfangs des 5. Jh. aus dem Griechischen übersetzt wurde. Zudem ist die Peshitta in syrischer Schrift geschrieben, Simmons kann davon höchstens eine englische Übersetzung benutzt haben. Er gibt aber keine genauen Quellen an!!

6. Was sagen andere zu dieser „Übersetzung“

6.1 Wer empfiehlt diese Übersetzung?

Dies sind vor allem Anhänger der „Charismatischen Bewegung“ und der „Neuen Apostolischen Reformation“ (NAR). Empfohlen wird die TPT z.B. von Bill Johnson, dem Pastor der extrem-charismatischen „Bethel Church“, von Bobbie Houston (Mitbegründerin der „Hillsong Church“), dem „neuen Apostel“ Cal Pierce und dem „neuen Apostel und Propheten“ Lou Engle.

6.2 Kritik durch Fachleute

Theologen und Sprachwissenschaftler haben wiederholt bemängelt, dass TPT keine wissenschaftliche Übersetzung ist, sondern ein Werk mit starken persönlichen und theologischen Färbungen, das nicht als verlässliche Grundlage für Lehre oder Seelsorge taugt.

6.3. Entfernung aus bekanntem Bibelportal

Ein weiteres Indiz für die umstrittene Zuverlässigkeit: Die große englische Bibelplattform BibleGateway hat TPT im Jahr 2022 aus ihrem Angebot entfernt, nachdem immer wieder Bedenken über die Texttreue und Übersetzungsqualität geäußert worden waren.

 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: The Passion Translation ist keine Bibelübersetzung, ja nicht einmal eine Bibelübertragung (Paraphrase), da sie Dinge hinzufügt, „die von den biblischen Autoren noch nicht einmal angedeutet werden“.[26]

Sie ist „eine umformulierte und umgeschriebene Bibel, die augenscheinlich dazu dient, eine bestimmte theologische Richtung zu propagieren ... Die Passion Bible geht weit über den Begriff ‚Übersetzung’ hinaus und stellt die Bibel so dar, wie ein menschlicher Verfasser [Brian Simmons] meint, dass sie geschrieben werden sollte.“[27]

Wir müssen Holly Pivet und R. Douglas Geivett recht geben, wenn sie gar „von einer leidenschaftlich falschen ‚Bibel’“ sprechen.[28] Denn was nützt eine „leidenschaftliche Übersetzung der Bibel“, die „emotionaler“ ist als Standardübersetzungen, die aber nicht mehr das Wort Gottes ist, sondern das Wort eines Menschen; deren vermeintlich biblische Wahrheiten in Wirklichkeit theologisch gefärbte Ergänzungen oder Interpretationen des Autors sind?

In einer Zeit wie heute, wo man Gott spüren und sehen möchte (wo steht in der Bibel etwas von „Gott spüren“?), statt dem Wort zu glauben (2.Kor 5,7), sind Verweise auf angeblich neu entdeckte aramäische Handschriften (der Sprache Jesu!), und auf neue Offenbarungen leider attraktiv, ebenso die Behauptung, dass die Passion Translation „die tiefen Geheimnisse der Heiligen Schrift enthüllt“[29], also eine Art esoterisches (verborgenes, nicht allen zugängliches) Wissen enthält. So ist auch die Aussage von Simmons zu verstehen, dass die griechische Sprache zum Verstand (engl. „mind”) spreche, aber Aramäisch und Hebräisch kraftvoll das Herz erreichen würden.[30] und: „Die Worte dieser Übersetzung werden direkt in deine Seele und deinen Geist gehen – sie umgehen die Schutzmauer deines Verstandes.“[31]

Die Lehren der Neuen Apostolischen Reformation wurden von der im Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Pfingstbewegung noch als „Irrlehre“ bezeichnet. Jetzt sind sie in eine Bibelausgabe eingeflochten worden, welche als Beglaubigung genau dieser Lehren herangezogen werden wird.

Was die wirklich inspirierten Worte der Bibel in bezug auf die Verhältnisse kurz vor der Wiederkunft des Herrn Jesus Christus über falsche Apostel und falsche Propheten sagen (Mt 7,15; 24,11; Mk 13,22; 2.Kor 11,13; 2.Petr 2,1; 1.Jo 4,1) erweist sich vor den Augen all derer als wahr, die sich allein an das unverfälschte Wort Gottes halten, auch an Offenbarung 22,18+19:

„Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.“

 

Literaturverzeichnis

Diese Werke stammen direkt aus dem Projekt von Brian Simmons bzw. dem herausgebenden Verlag:

- The Passion Translation New Testament with Psalms, Proverbs and Song of Songs (2020 Edition), Simmons, BroadStreet Publishing Group, englische Ausgabe (verschiedene Editionen verfügbar)

- The Passion Translation Old Testament Special Edition 5-in-1 Collection, Simmons, BroadStreet Publishing, 2024. [Genesis, Joshua, Judges, and Ruth, Isaiah, Jeremiah and Lamentations, and Ezekiel and Daniel].

- (Holy) Bible - The Passion Translation (TPT), App für Android, [email protected], Entwickler: Roberto Carlos Luciano Peña, Dominikanische Republik

- The Passion Translation, App für Android, www.jaqer.com, Entwickler [email protected], China, zuletzt aktualisiert 11.1.2026, Version 1.8.4

- TPT Espagnol / The Passion Translation, The Passion Bible in Spanish, App für Android, , wiseappilEntwickler Apprey Joseph, [email protected], Version 4.0.0, zuletzt aktualisiert 11.10.2025
- Offizielle FAQ-Seite zur Methodologie, Quellenbasis und Zielen der Übersetzung (enthält Angaben zu verwendeten Quellen wie Masoretischer Text, Nestle-Aland, Peshitta).

- Die Bibel so übersetzen, dass Gottes Herz spürbar wird, jesus.ch [Bericht über Brian Simmons und seinen Besuch in der Vineyard Church Zürich]

 

Kritisch:

- The Controversy Of The Passion Translation - Fact Sheet, Krist Adams, www.kristadams.com

- The Problems with the Passion Translation“, Dr. Michael Rydelnik, MichaelRydelnik.org [Blog-Analyse eines theologischen Kritikers, der argumentiert, TPT sei eher Paraphrase als Übersetzung. ]

- A Critique of The Passion Translation,  Larry G. Overton, Online-Artikel, www.larryoverton.com/a-critique-of-the-passion-translation/ [Theologische Beurteilung, Schwerpunkt auf Übersetzungsqualität und Sprachgebrauch]

- Examining The Passion Translation Bible, Matt Slick, 2022

- What’s Wrong With The Passion Translation?, Andrew Wilson, ThinkTheology.co.uk, [Kritische Darstellung des Projekts mit Argumenten zur Übersetzungsmethodik].

- Important Facts about the Passion Translation, Holly Pivec, www.hollypivec.com/ blog/2018/06/important-facts-about-the-passion-translation/7962

- Stop! Consider What Is Wrong With The Passion Translation - Part I, James W.Glazier, 2023, christianapologetics.blog

- Stop! Consider What Is Wrong With The Passion Translation - Part II, James W.Glazier, 2023, christianapologetics.blog

- The Passion Translation: A critique, Shane Runnels  [Analyse der Übersetzungspraxis und Qualifikation des Übersetzers. ausführlich sprachlich argumentierend.]

- Burning Scripture with Passion: A Review of The Psalms (The Passion Translation), Andrew G.Shead, Themelios 43, Nr. 1 (2018). [Ausführliche akademische Kritik an der Übersetzung der Psalmen, argumentiert u. a., dass TPT weit von originalsprachlicher Genauigkeit abweicht.]

- Evaluation of The Passion Translation: Song of Songs, Dr. Tremper Longman III

- A Brief Evaluation of The Passion Translation of Romans, Douglas Moo

- Review of 1 Corinthians in The Passion Translation, Craig L.Blomberg

- The Passion Translation: Galatians, Dr. Nijay K.Gupta

- Assessment of The Passion Translation of Ephesians, Dr. Darrell L.Bock

- Review of Colossians in Brian Simmons’ The Passion Translation, Alex D.Hewitson

- The Passion Translation – Wikipedia-Artikel [Enthält zusammengefasste wissenschaftliche Kritik: fehlende Übereinstimmung mit üblichen Übersetzungsstandards, Analysen von Andrew Wilson, Andrew Shead und weitere. https://en.wikipedia.org/wiki/ The_Passion_Translation]

 

Buchempfehlung:

Das gefälschte Gottesreich - Die Gefahren neuer Offenbarungen, neuer Propheten und Apostel und esoterischer Praktiken für die Gemeinde, Holly Pivec / R. Douglas Geivett, CV Dillenburg, 2025

Die Neue Apostolische Reformation (NAR) ist eine schnell wachsende neue Bewegung in der Christenheit, die Zeichen und Wunder betont und lehrt, dass Gott heute durch neue Apostel und Propheten neue Offenbarungen gibt.

In Das gefälschte Gottesreich zeigen die Apologeten und NAR-Experten Holly Pivec und R. Douglas Geivett, wie die Hauptlehren der NAR das Evangelium verzerren, die Heilige Schrift verdrehen, von New-Age-Praktiken beeinflusst sind und gläubige Christen zum Schiffbruch im Glauben führen. Sie bieten praktische Hilfen für kritische Leser, die diese Bewegung bereits kennengelernt haben oder sich Sorgen um Angehörige machen. Was früher an den Rändern der Kirche stattfand, ist heute Mainstream, und viele werden davon beeinflusst, ohne es zu wissen. Dieses Buch ist ein Weckruf!

Paperback 288 Seiten, CHF 25.90*/ € 19.90

Dieses Buch ist in der Schweiz unter anderem erhältlich bei:

clkv.ch/shop/aufklaerung/pfingstbewegung-charismatische-bewegung/das-gefaelschte-gottesreich

oder in Deutschland und Österreich bei:

cmv-duesseldorf.de/produkt/das-gefaelschte-gottesreich/

********************************************************************

* Ich bedauere den hohen CHF-Preis dieses Buches. Gerne bin ich aber auch bereit ein Exemplar dieses Buches kostenlos auszuleihen!

 

[1] Bill Johnson, Pastor an der Bethel Church in Redding, Kalifornien und Bestseller-Autor (https://x.com/brianwsimmons/status/909818325986713600)

[2] https://www.gotquestions.org/Passion-Translation.html (Die Webpage „Gotquestions.org“ wird von Christen verantwortet, die Gott ehren und Menschen für Christus gewinnen wollen, indem sie biblische Antworten auf geistliche Fragen geben. www.gotquestions.org/about.html)

[3] Eine erste deutsche Ausgabe ist soeben (am 16. März 2026) unter dem Titel „Leidenschaftlich geliebt“ herausgekommen und wird für CHF 65.50 verkauft. Mir liegt sie noch nicht vor.

[4] Gemäss dem Artikel „Die Bibel so übersetzen, dass Gottes Herz spürbar wird“ von Florian Wüthrich, Livenet, vom 27.März 2018 hat Simmons in den 5 Monaten nach Erscheinen der Erstausgabe bereits mehr als 400 Korrekturen vorgenommen!

[5] https://www.thepassiontranslation.com/faqs (Frage: Why another Bible translation?)

[6] Man schätzt, dass auf Englisch in den letzten 150 Jahren jedes Jahr durchschnittlich mindestens 2 neue Übersetzungen erschienen sind!

[7] www.thepassiontranslation.com/about-the-lead-translator

[8] www.thepassiontranslation.com/faqs (Frage: What is the Passsion Translation and who is behind it?)

[9] www.passionandfire.com/our-history

[10] Runnels beschreibt sich als ein der charismatischen Bewegung locker zugehöriger Theologie- und Bibelübersetzungsliebhaber

[11] Die eMails, die die Nachforschungen von Runnels belegen, finden sich auf https://medium.com/@shanerunnels/the-passion-translation-ae12c1f894ce

[12] am 10.3.2017 noch abrufbar auf www.thepassiontranslation.com/faqs, inzwischen nicht mehr dort. Zitiert in Entwurzelt, S. 118.

[13] www.sidroth.org/video/brian-simmons

[14] www.sidroth.org/video/brian-simmons, Transkription aus den Minuten 15:25–16:53

[15] www.thepassiontranslation.com/faqs (Frage: What textual source materials were used in composing The Passion Translation?)

[16] www.michaelrydelnik.org

[17] www.thepassiontranslation.com/faqs (Frage: Why is The Passion Translation described as a “translation” rather than a “paraphrase”?)

[18] Bei den Zeugen Jehovas ist es die Ablehnung der Gottheit Jesu, was sich an einigen Stellen und Anmerkungen ihrer Bibelübersetzung niederschlägt. Bei der TPT sind es andere Themen.

[19] Auf www.thepassiontranslation.com/faqs/ leugnet Simmons die Zugehörigkeit zur Neuen Apostolischen Reformation (NAR) indem er behauptet, diese Bezeichnung werde von Internet Apologeten und Kritikern gebraucht, um eine nicht existierende Bewegung von Charismatikern und Pfingstlern zu beschreiben. Tatsache ist, dass C.P. Wagner den Begriff New Apostolic Reformation für seine Apostelbewegung gewählt hat (The New Apostolic Churches, Regal Books, 1998, S.18). Simmons hat am Institut von C.Peter Wagner studiert.

[20] Das gefälschte Gottesreich, Holly Pivec/R.Douglas Geivett, CVD, 2025, S.160

[21] Das Neue Testament, Interlinearübersetzung, Griechisch-Deutsch, Ernst Dietzfelbinger, hänssler Verlag, 1989

[22] Nicht nur die Wortfolge, sondern auch die Grammatik verunmöglicht die Übersetzung „erste Apostel“, da diese im Genitiv Mehrzahl stehen (Genitivus partitivus), während „erste“ im Nominativ Einzahl steht.

[23] Engl. (TPT): Heaven’s kingdom realm is accessible, close enough to touch.

[24] www.clkv.ch/phocadownload/1.%20Korinther%2013%2C8-13.pdf

[25] Thomas Schirrmacher, Paulus im Kampf gegen den Schleier (VTR, 5.erweiterte Auflage 2002, S.189). Schirrmacher hat in diesem Buch eine ganze Liste der bekannten Auslegungsmöglichkeiten zu dieser Bibelstelle erstellt.

[26] Richard P.Moore, Entwurzelt – Aktuelle christliche Irrtümer, CV Dillenburg, 2024, S.115

[27] Got Questions: What is the Passion Translation of the Bible?, zitiert bei Georg Walter, Angriff auf die Wahrheit, edition predigt.archiv, 2021, S.199

[28] Titel des 7. Kapitels ihres Buches Das gefälschte Gottesreich, CV Dillenburg, 2025

[29] Selbstbeschreibung auf der Webseite der TPT (www.thepassiontranslation.com/about-the-tpt)

[30] https://www.thepassiontranslation.com/faqs, Frage zu den aramäischen Quellen

[31] Video Brian Simmons mit Sid Roth (www.sidroth.org/video/brian-simmons), Werbung für TPT (ab Minute 25:35)